Auf den Spuren des Komponisten Christoph Willibald Gluck:
Die Försterfamilie Gluck in Nordböhmen (1718-1743)

 

© Dr. Werner Robl, Berching, März 2021

 

 

Station 1: Neuschloss und Reichstadt

 

Der Unterförster Johann Alexander Gluck (1683-1743), der Vater des Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714-1787), löste im Lauf des Jahres 1717 seine beiden Dienstverhältnisse im westoberpfälzischen Sulzgau auf, den Erasbacher Dienst als kurbayerischer Förster und Jäger zum 31. August 1717, den Seligenportner Forstdienst in Weidenwang zum 30. September 1717 (Bucher 30f).

Unmittelbar danach, zum 1. Oktober 1717, trat Gluck als Oberförster in die Dienste der Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg (1672-1741), der Großherzogin von Toscana, im nordböhmischen Reichstadt (Zákupy).
 
Das Schloss von Reichstadt in Ideallandschaft. Zeitgenössischer Stich, koloriert.

Kurz vor der Jahreswende scheint Alexander Gluck, der im Sulzgau seine schwangere Frau Walburga und seine beiden kleinen Söhne Christoph Willibald und Christoph Anton zurückgelassen hatte, nochmals nach Erasbach und Weidenwang zurückgekehrt sein, um letzte Besoldungsdinge zu regeln. So quittierte er am 31. Dezember 1717 gegenüber den Klosterrichteramt Seligenporten den Erhalt von 2 Gulden und 8 Klafter Brennholz als Restbesoldung, wobei er letzteres nicht mit nach Böhmen mitnehmen konnte, sondern vor Ort erst noch verkaufen musste. Dass diese Abschlusszahlungen bereits im August 1717 für den nachfolgenden Dezember festgelegt worden seien, wie Buchner einst meinte (Buchner 29ff), erscheint relativ unwahrscheinlich, denn zumindest das Brennholz für den Winter 1717/18 war erst im Dezember 1717 frisch eingeschlagen worden. Da auch die im Erasbacher Haus eingelagerten Wintervorräte erst aufgebraucht werden mussten, spricht alles dafür, dass Alexander Gluck seine Familie erst zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres, nach Mariä Lichtmess 1718, nach Reichstadt nachholte. Es handelte sich um eine beschwerliche Winterreise mit dem Pferdefuhrwerk oder mit der Kutsche, über eine holprige, z. T. gebirgige Strecke von mehr als 350 km. Frau Gluck war dabei hochschwanger, doch sie scheint die Reise gut überstanden zu haben.
 
Die Reiseroute von Erasbach nach Reichstadt.

Der Weg führte sicherlich über Alexander Glucks Heimatstadt Neustadt an der Waldnaab, wo die Fürsten von Lobkowitz residierten und sein verwitweter Vater Johann Adam Gluck (1650-1722) als fürstlich-Sagan'scher Hofjäger im Ruhestand lebte. Die Fürsten von Lobkowitz hatten elf Jahre zuvor Neustadt an der Waldnaab als ständigen Residenzort aufgegeben und ihren Herrschaftsschwerpunkt nach Raudnitz an der Elbe und nach Wien verlegt. Deswegen war das vom Schweizer Architekten Antonio della Porta (1631-1702) als Dreiflügelanlage geplante Neue Schloss von Neustadt nicht mehr fertiggestellt worden. Der Nordflügel stand jedoch kurz vor der Vollendung, als die Familie Gluck dort eintraf. Er schloss sich nahtlos an das Alte Schloss an.

Johann Adam Gluck, der zweimal verheiratet gewesen war, wohnte nur wenige Meter vom Neuen Schloss entfernt in der nördlichen Vorstadt und unterhielt dort ein kleines Anwesen.
 
Das Geburtshaus Alexander Glucks in Neustadt an der Waldnaab. Aufnahme aus der Gluck-Biografie von Rudolf Gerber. Leider hat Gerber offen gelassen, ob Johann Adam Gluck mit seiner Familie im linken oder im rechten Haus lebte (u. E. eher im rechten).
 
Heute steht an der Stelle des originalen Gluck-Hauses ein schmuckloses - um nicht zu sagen hässliches - Einfamilienhaus, das allenfalls im aufgehenden Mauerwerk noch Reste des alten Hauses birgt. An die Geburt Alexander Glucks in diesem Haus erinnert ein ungünstig angebrachtes Schild, das heute so gut wie keiner beachtet.

Der alte Herr wird sich in jenem zeitigen Frühjahr 1718 gefreut haben, nicht nur seinen zweitältesten Sohn aus erster Ehe wiederzusehen, sondern auch seine beiden Enkelkinder und seine Schwiegertochter Maria Anna Walburga kennenzulernen, welche damals mit 36 Jahren schon nicht mehr die jüngste war. Der kleine Christoph Willibald war dreieinhalb Jahre alt und erst kurz von der Mutterbrust entwöhnt, sein noch jüngerer Bruder Christoph Anton noch ein Säugling. Der künftige Opernkomponist hat also wenigstens einmal, möglicherweise in der Folge auch mehrfach, die gefürstete Grafschaft Neustadt-Störnstein, eine böhmische Enklave in der Oberen Pfalz, und den dortigen Großvater besucht! Was Alexander Gluck anbelangt, so fühlte er sich Zeit seines Lebens sehr mit seiner oberpfälzischen Heimat verbunden und plante lange Zeit, dorthin im Alter zurückzukehren.

 

 
Reichstadt - Gemälde aus unbekannter Hand. Rechts im Bild das von Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg (1641-1689) in den Jahren zwischen 1676 und 1684 erbaute Kapuzinerkloster. Im Hintergrund das Schloss von Reichstadt, das zwischen 1670 und 1683 errichtet worden war, davor das turmbewehrte Verwaltungsgebäude, in dem wir die Wohnung der Glucks verorten. Dazu mehr im Folgenden!

Angekommen in Reichstadt (Zakupy), fanden die Glucks zu Füßen des bewaldeten Kamnitz-Berges ein stattliches Schloss mit Verwaltungsgebäude und Meierhof vor, dazu ein Kapuzinerkloster, die Pfarrkirche "St. Fabian und Sebastian", ein Spital sowie einen kleinen zentralen Marktplatz mit einer stattlichen Dreifaltigkeitssäule. Lediglich das Zentrum von Reichstadt trug städtischen Charakter. Umgeben war die Hauptstraße von einem Ring strohgedeckter Häuser, mit vielen dazwischenliegenden Grünflächen. So ähnelte Reichstadt trotz seines stolzen Namens mehr einem großen Dorf als einer Stadt.
 
Die Dreifaltigkeitssäule von Reichstadt ist eine 18 Meter hohe Figurengruppe in der Form eines Wolkenobelisken, ähnlich der Pestsäule von Wien. Sie wurde von der Großherzogin Anna Maria Franziska von Toscana im Jahr 1708 errichtet, aus Dankbarkeit für die Rettung der Stadt vor der Pest, die damals in Nordböhmen grassierte.

Die Umgebung Reichstadts, im Vorland des Lausitzer Gebirges, war ebenfalls sehr ländlich; es handelte sich im Norden um eine stark hügelige, relativ dicht bewaldete Landschaft, der Süden war eher flachhügelig, hinter einem Saum von weiten Äckern und Feldern sowie Obstbaumkulturen und einer weitläufigen Waldheide mit Kiefernbestand erhoben sich die Gipfel des Kummergebirges. Das waren die Wälder, für die Alexander Gluck u. a. in Zukunft zuständig sein sollte.
 
Reichstadt (Zakuby). Altkolorierte Tonlithographie von Anton Haun, in: E. Hölzel: Malerisch-historisches Album vom Königreich Böhmen, Olmütz 1860.

 

Ehe nun die Lebensverhältnisse der Familie Gluck in Reichstadt zur Besprechung kommen, stellt sich die wichtige Frage, wer Alexander Gluck in die neue Dienstaufgabe vermittelt hatte, denn diese war für ihn geradezu maßgeschneidert. Der Posten des Oberförsters bedeutete für Alexander Gluck vor allem den gewünschten Aufstieg; er war von der Großherzogin Anna Maria Franziska eigens für ihn geschaffen worden, denn vor ihm hatte zum Toskanischen Hofstaat nur ein Jäger gehört.
 
Originale Unterschrift der Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg, Autograph von 1730: "Von Gottes Gnaden Anna Maria Francisca Großherzogin von Toscana, gebohrene Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen."

Der Vermutung, dass der kurpfälzische Oberstjägermeister von Amberg und (fragliche) Schultheiß von Neumarkt in der Oberpfalz, Generalfeldwachtmeister Johann Georg von der Hauben (1657-1717), wegen weitläufiger Verwandtschaft zur Reichstädter Regentin eine Rolle beim Wechsel Alexander Glucks gespielt hätte (Croll 18, Gerber 144), möchten wir eine Absage erteilen. Die persönliche Bekanntschaft zwischen Johann Georg von der Hauben und Alexander Gluck ist nicht bewiesen und allein aufgrund der Zeitumstände sehr unwahrscheinlich, wie wir bereits in einer Vorarbeit deutlich gemacht haben (Robl 10f.) Im Übrigen stand von der Hauben, als es um Alexander Glucks Umzug nach Reichstadt ging, gar nicht zur Verfügung. Er war ab Mitte Juni 1717 ständig vor dem mit 30000 Türken besetzten Belgrad in militärischem Einsatz und ließ am 16. August 1717, im Nahkampf von den Türken "erbärmlich zerhaut", sein Leben.

Im Gegensatz zu den erwähnten Biografen sehen wir - wie an anderer Stelle im Leben Alexander Glucks auch - die Handschrift der Herren von Lobkowitz, in deren Diensten sein Vater gestanden hatte.

So war z. B. der Reichsstädter Besitz der Großherzogin von Toscana nicht Lauenburgisches Erbgut, sondern altes Lobkowitz'sches Reichslehen, erst zwei Generationen zuvor durch Einheirat erworben (über die Großmutter der Großherzogin väterlicherseits, Anna Magdalena Popel von Lobkowitz, † 1668).

Zwar nicht stringent beweisbar, aber sehr wahrscheinlich ist die persönliche Fürsprache von Glucks Vater Johann Adam Gluck in Neustadt an der Waldnaab, der zu Lebzeiten als Hofjäger in vertrautem Umgang mit den in Neustadt geborenen und regierenden Fürsten Ferdinand August von Lobkowitz (1655-1715) und dessen Sohn Philipp Hyazinth von Lobkowitz (1680-1737) stand. Wenn jemand bei diesen hohen Herren ein Wort für Alexander Gluck einlegen konnte, dann war er es. Selbst wenn damals auf den oberpfälzischen und nordböhmischen Domänen der Fürsten von Lobkowitz kein passender Posten für Alexander Gluck frei war, so scheint Fürst Philipp Hyazinth dennoch auf Bitten des Vaters für ihn vermittelnd tätig geworden zu sein und bei der Großherzogin Anna Maria Franziska, mit der er nahezu ein geschwisterliches Verhältnis pflegte, nachgefragt zu haben.

Dies kam so: Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg, seit 1697 Großherzogin von Toscana und Herrin von Reichstadt, war keine autochthone Böhmin oder Sächsin, sondern mütterlicherseits eine Oberpfälzerin, genauer gesagt, eine Sulzbacherin (so, wie Fürst Ferdinand August von Lobkowitz mütterlicherseits auch ein Sulzbacher gewesen war). Von Großmutterseite floss in ihren Adern, wie bereits gesagt, Lobkowitz'sches Blut. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter Marie Hedwig Auguste von Pfalz-Sulzbach (1650-1681) lebte sie zunächst zusammen mit ihrem Vater, Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg (1650-1689), und ihrer jüngeren Schwerster Sybilla Augusta (1675-1733) auf Schloss Reichstadt und wurde zusammen mit ihrer Schwester von einer Gouvernante aufgezogen. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1689 kamen beide Erbtöchter in die Vormundschaft Kaiser Leopolds I., der sie der Fürstin Maria Anna Wilhelmine von Lobkowitz, geborene Markgrafentochter von Baden-Baden (1655-1702) und Gattin des regierenden Fürsten Ferdinand August Leopold in Raudnitz und Neustadt, zur weiteren Erziehung und Vermittlung in eine gut betuchte Ehe übergab.
 
Die beiden Erbtöchter des Julius Franz von Sachsen-Lauenburg, Anna Maria Franziska und Sibylla Augusta, als junge Damen. Gemälde im Schloss Rastatt. Während die Kunsthistoriker von Rastatt die junge Dame links im Bild als Sibylla Augusta, verheiratete Markgräfin von Baden-Baden, identifizieren, sind wir uns nach dem Ähnlichkeitsvergleich mit einem anderen zeitgenössischen Gemälde ziemlich sicher, dass es sich hierbei um Anna Maria Franziska handelt. Demnach wäre Sybilla Auguste rechts im Bild die schönere der beiden Damen gewesen, was ja auch den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden bei der Brautschau 1690 derart beeindruckt haben mag, dass er statt des älteren, 18-jährigen Mädchens die jüngere, damals erst 15-jährige Sibylla Augusta als künftige Gattin wählte.

Was die ältere der beiden Erbtöchter, die 18-jährige Anna Maria Franziska, anbelangt, so wurde sie ca. ein Jahr später - und deutlich nach ihrer jüngeren Schwester - in Raudnitz verheiratet, mit Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1668-1693), der allerdings schon drei Jahre später im Alter von 24 Jahren verstarb und in Reichstadt begraben wurde. Vier Jahre nach seinem Tod verheiratete sich Anna Maria Franziska ein zweites Mal, mit Großherzog Gian Gastone von Toscana. Diese Ehe war ein Fiasko, da der letzte Vertreter des Hauses Medici der Knabenliebe und Trunksucht zuneigte. Deshalb wurde diese Ehe auch nie richtig vollzogen und 1708 offiziell getrennt. Der ungeliebte Großherzog von Toscana zog sich nach Florenz zurück, die Großherzogin Anna Maria Franziska blieb dagegen in Reichstadt, wo sie quasi wie im Witwenstand bis zu ihrem Tod im Jahr 1741 lebte und wirkte.

Es ist anzunehmen, dass Anna Maria Franziska ab 1689 in Begleitung der Fürstin von Lobkowitz, welche nach wie vor nicht Raudnitz, sondern die Grafschaft Neustadt/Störnstein als ihren Lebensmittelpunkt bevorzugte, des Öfteren nach Neustadt an der Waldnaab kam. Der dort geborene Prinz Philipp Hyazinth, Stammhalter des Geschlechts Lobkowitz und Halbwaise - seine Mutter war anlässlich seiner Geburt gestorben -, stand damals in seinem 10. Lebensjahr, Alexander Gluck, der Sohn des fürstlich-Sagan'schen Hofjägers war 7 Jahre alt - und beide waren Spielkameraden. Da die Kinder der Fürstenfamilie im idyllischen Neustadt einen sehr vertrauten Umgang mit den Kindern ihrer Angestellten pflegten, ist es gut möglich, dass sich die Großherzogin Anna Maria Franziska und der kleine, 1683 geborene Alexander Gluck bereits von dieser Zeit her persönlich kannten! Man wohnte im alten Schloss von Neustadt nur 120 Meter von Haus des Hofjägers Gluck entfernt!
 
Neustadt an der Waldnaab im k.-b. Urkataster (um 1820): Rechter Kreis = Haus des Hofjägers Johann Adam Gluck, linker Kreis = Altes Schloss von Neustadt, in dem die Fürstenfamilie lebte.

Später, in der Zeit, als Anna Maria Franziska frisch verheiratete Pfalzgräfin von Neuburg war (1690-1693), werden sich diese Szenen wiederholt haben, denn auf der Reisestrecke von Reichstadt nach Neuburg an der Donau lag - Neustadt an der Waldnaab!

Wenn man also die Frage beantwortet, wie Alexander Gluck im Jahr 1717 auf die Großherzogin von Toscana kam - oder umgekehrt -, braucht man den todgeweihten Grafen von der Hauben nicht bemühen. Es reicht als Erklärung die Verbindung des Fürstenhauses von Lobkowitz mit ihrem Stammsitz in Neustadt an der Waldnaab, der Heimatstadt Alexander Glucks!

 

Kehren wir zurück nach Reichstadt in Böhmen - oder besser gesagt - ins benachbarte Neuschloss (Zámek Zahrádky):

Interessanterweise verortete der erste Biograf Christoph Willibald Glucks und vormalige Kustos der k. k. Hofbibliothek in Wien, Anton Schmid, Alexander Gluck nach seinem Weggang aus dem westoberpfälzischen Sulzgau zunächst gar nicht in Reichstadt selbst. Vielmehr soll er sich als "Waldbereiter des Grafen Kaunitz" in das nur 7,5 km von Schloss Reichstadt entfernte Neuschloss begeben haben.
 
Das Neuschloss in nordböhmischer Ideallandschaft - Künstlerpostkarte von 1913.

Eine Verwechslung von Seiten Anton Schmids halten wir für ausgeschlossen, denn dieser hatte als junger Mann im nahen Böhmisch-Leipa (heute Ceská Lípa), das wie Neuschloss zur Herrschaft des k. k. Kämmerers Graf Johann Wilhelm Kaunitz (1650-1721) gehörte, das Gymnasium besucht und gab deshalb vermutlich eine Ortstradition aus erster Hand wieder. Da Schmid aber die Gluck'sche Anstellung in Reichstadt zeitlich von der in Neuschloss trennte, worin er sicher irrte, verwarf der Musikwissenschaftler Rudolf Gerber später den Dienst Alexander Glucks für Neuschloss gänzlich, worin ihm die meisten Gluck-Biografen folgten (Gerber 143f).
 
Das Schloss der Grafen Kaunitz, zuletzt Ende des 18. Jahrhunderts ausgebaut, ist heute nach einem verheerenden Brand im Jahr 2003 ein Ruine, mit lediglich erhaltener Fassade.

Wir haben die Waldreviere des Grafen Kaunitz in Neuschloss und der Großherzogin Anna Maria Franziska in Reichstadt im Detail überprüft und betrachten den Sachverhalt auch in diesem Fall unter einem anderen Blickwinkel:

Es ist keineswegs sicher, dass, wie Gerber behauptete, ein sicherer Widerspruch zwischen dem "herzoglich-Toscanischen Oberförster" und dem "gräflich-Kaunitz'schen Waldbereiter" besteht. Es gab nämlich ein Waldrevier im Süden von Reichstadt und im Osten von Neuschloss - beide Schlösser sind nur 10 km von einander entfernt -, in dem Alexander Gluck, in Reichstadt wohnend, beide Funktionen zugleich ausüben konnte. Es handelt sich um eine große Waldheide am nordwestlichen Auslauf des Kummergebirges, welche vom Mäander des Flüsschens Pulsnitz (auch "der Polzen", tschechisch Ploucnice), einem rechten Nebenfluss der Elbe, durchzogen wurde und beide Domänen trennte.
 
Das Flüsschen Pulsnitz im Frühsommer 2020, nach heftigen Regenfällen. Die Pulsnitz ist heute wegen der wild-romantischen Landschaft, das sie durchfließt, eine beliebte Kanustrecke.

Dieses große Waldgebiet war wegen des sandigen Untergrundes und des relativ monotonen Föhrenbestandes grundsätzlich wenig für die Forstwirtschaft, sondern viel mehr für die Wildhege geeignet. Der Kiefernwald hieß damals auf Reichstädter Seite "Heiderevier" oder "Annahayd" (was darauf hindeutet, dass dieses Heidegebiet von der Großherzogin Anna als Jagdgebiet präferiert wurde), und auf der Neuschlosser Seite "Hayder Waldungsseite", auch "Tiergarten", was nichts anderes als ein großes, manchmal sogar umzäuntes Revier für die Hege von Jagdwild bedeutet.
 
Karte von 1780: Die "Annahaid", hier blassrot unterlegt. Im Osten die Eustach-Kapelle (Geweih) und das Jägerhaus mit Wirtschaftshof (Kreis), beides etwas deplatziert eingezeichnet.

 
Der entsprechende Waldbezirk in der Karte von heute. Rote Punkte: Schloss Reichstadt und das Jägerhaus der Annahayd. Westlich der Pulsnitz liegt das Kaunitz'sche Jagdgebiet, das bis ins Kummergebirge (links-Mitte am unteren Bildrand) reichte.

 
Der Unter- und Aufwuchs des Heidereviers.

Von der Großherzogin Anna Maria Franziska ist bekannt, dass sie eine leidenschaftliche Jägerin war, während ihr die Forstwirtschaft lange Zeit weniger am Herzen lag. Gerade deshalb förderte sie diese große Waldheide östlich der Pulsnitz und ließ am Rande der Annahayd beim "Jägerhaus auf der Hayd", in dem zu Glucks Zeit der Jäger Elias Mönich seinen Dienst versah (heute Borecek, deutsch Haidedörfel), eine Einsiedelei errichten - mit einer den Jagdpatronen Eustachius, Hubertus und Ägidius geweihten Kirche. Von diesem frühbarocken Bau hat nur der Chor die Zeiten überstanden. Trotzdem meinen wir, der Naturverbundenheit und Jagdleidenschaft der einsamen Großherzogin von Toscana hier am nächsten zu kommen.
 
Die Kapelle der Heiligen Eustachius, Hubertus und Ägidius in der Annahayd, ein Bauwerk der Großherzogin Anna Maria Franziska aus dem Jahr 1712. Aspekt von 2019.

In diesem großen Heidegebiet beiderseits der Pulsnitz, das die Domänen sowohl der Großherzogin von Reichstadt als auch des Grafen Kaunitz umfasste, machte eine gemeinsame Forstaufsicht wirklich Sinn, da speziell das Großwild keine Grenzen kannte und damals wie heute über den Fluss Pulsnitz hin- und herwechselte. So ist es gut möglich, dass man damals diese Waldheide als gemeinsames Revier beider Adelshäuser dem Oberförster Alexander Gluck zur Obhut übergab, so dass dieser auch auf der Gehaltsliste des Grafen Kaunitz stand, was dann eben später in Böhmisch-Leipa und Neuschloss erinnert wurde.  

Der Gluck-Biograf Gerhard Croll meinte - leider ohne Nennung der entsprechenden Quellen -, Alexander Gluck habe "der Herzogin schon kurze Zeit nach seinem Dienstantritt einen detaillierten Plan zur Neuordnung des offensichtlich verschlampten fürstlichen Forstwesens vorgelegt, der noch vor Ende 1717 in die Praxis umgesetzt wurde."

Der Begriff "verschlampt" erscheint uns etwas deplatziert - zumindest dann, wenn er diese südliche Waldheide meinte. Zu den nördlich von Reichstadt gelegenen Waldrevieren, die im Zeitalter aufkommender Industrialisierung tatsächlich wegen der zunehmend umfangreichen Holzentnahme für die dortigen Glashütten eine besser als zuvor organisierte Forstwirtschaft benötigten, war in den südlichen Wäldern aus gutem Grund gar keine Forstwirtschaft betrieben worden. Immerhin handelte es sich bei diesem umfangreichen Jagdrevier um ein Naturschutzgebiet, das noch zur Zeit Alexander Glucks größere Eingriffe zur Holzgewinnung wegen der nötigen Wildruhe gar nicht zugelassen hätte. In Gegenteil, vielleicht benötigte dieses wegen zunehmender Versteppung oder monokultureller Waldschäden sogar eine gezielte Wiederaufforstung, wozu die Hand eines Oberförsters nicht minder notwendig war.
 
Die monokulturelle Waldheide südlich von Reichstadt.

Zwar haben wir nicht alle diesbezüglichen Dokumente im Archiv Leitmeritz eingesehen, aber es ist anzunehmen, dass dem Oberförster Alexander Gluck nicht nur diese südlichen Wälder, sondern auch die mehr vom Raubbau betroffenen nördlichen Waldreviere von der Großherzogin zur Verwaltung übergeben worden waren. Das hätte nun wirklich die Ernennung zum Forstmeister gerechtfertigt, denn es handelte sich um ein sehr weitläufiges Gebiet im Kreis Bunzlau, das sich durch das Lausitzer Gebirge bis an die Grenze von Schlesien hinzog, mit Forsthäusern in Böhmisch-Zwickau (Cvikov), Großmergthal (Marenice), Röhrsdorf (Svor) und Oberlichtenwalde (Horní Svetla). Von dort bezog der herzogliche Haushalt in Reichstadt seit jeher und schon lange vor Alexander Gluck alljährlich 4000 Klafter Brennholz, allein für die Beheizung der Schlossgebäude im Winter.

 

Im ebenfalls nördlich von Reichstadt gelegenen Bürgstein (heute Sloup v Cechách) war zur Zeit Alexander Glucks ein weiterer Oberförster namens Matthäus Taubner beschäftigt, der immer wieder nach Reichstadt kam, um z. B. mit seiner Frau bei den beiden Taufen der Glucks als Pate und Zeuge zu assistieren. Falls dieser Mann ebenfalls für die Großherzogin von Toscana tätig war, dann allenfalls nebenamtlich und kommissarisch (wie vielleicht Alexander Gluck für den Grafen Kaunitz), denn Taubner stand, nachdem Bürgstein 1710 an das Grafenhaus Kinsky gefallen war, hauptamtlich in Diensten des Grafen Wenzel Norbert Oktavian Kinsky (1641-1719), des vormaligen Besitzers der Herrschaft Böhmisch-Kamnitz, und danach in Diensten seines Bruders Stefan Wilhelm Ullrich Kinsky (bis 1726). Vielleicht hatte man dem Oberförster Taubner aus Bürgstein den Holzeinschlag für das Reichstädter Schloss übertragen - und so fand er Gelegenheit, Alexander Gluck und seine Familie in Reichstadt kennenzulernen und sich mit ihm anzufreunden.

 

Dass die Familie Gluck das in Großmergthal gelegene Forsthaus oder das Jägerhaus an der Annahayd bezogen hätte, ist nach den Taufmatrikeln von Reichstadt nicht anzunehmen. Letzteres wurde zu habsburgischer Zeit auch Forsthaus genannt und gelangte insofern zu einiger Berühmtheit, als im Jahr 1883 für kurze Zeit Rudolf, der tragisch endende Sohn der Kaiserin Sissi (Affäre Mayerling), mit seiner Frau dort wohnte und zur Jagd ging.
 
Links oben historische Fotografie des Toskanischen Forsthauses von Großmergthal, rechts das Toskanische Jägerhaus resp. Forsthaus von Haidedörfel, an der Annahayd, beide in der Optik der Habsburger Zeit. Die Gebäude sind bis heute erhalten, das ehemalige Jägerhaus wird derzeit laienhaft umgebaut und befindet sich in einem erbärmlichen Zustand, wie die Aufnahme zeigt.

 

Inwiefern kann man sicher sein, dass der neue Oberförster Gluck mit seiner Familie nicht in einem der soeben genannten Forsthäuser untergebracht war, welche seine vorherigen Häuser im oberpfälzer Sulzgau - in Weidenwang und Erasbach - an Größe bereits um Einiges überragten?

Wie man den Taufmatrikeln von Reichstadt entnimmt, wurden Alexander und Walburga Gluck in ihrer Reichstädter Zeit zwischen 1717 und 1722 zwei Kinder geboren, und sie selbst fungierten als Paten oder Zeugen bei drei weiteren Kindstaufen. Bei jeder der protokollierten Taufen ist anhand der geladenen Personen (Taufpaten, Taufzeugen) ein gehobenes personelles Umfeld des Paares auszumachen, das sich mit wenigen Ausnahmen ausschließlich aus dem Reichstädter Schloss, zum großen Teil sogar aus dem Hofstaat der Großherzogin rekrutierte. So ist auch in jeden Fall der Geburtsort mit "Reichstadt" protokolliert, während z. B. zeitgleich mit der Geburt der ersten Gluck'schen Tochter "Anna Maria Rosina" die Frau des Jägers Elias Mönich im Jägerhaus bei der Annahayd entband, und deshalb der Geburtsort entsprechend auch als "Jägerhaus auf der Hayd" vermerkt wurde. Hätte also Walburga Gluck dort - oder auch im Forsthaus von Großmergthal - entbunden, wo wäre dies expressis verbis im Taufbuch festgehalten worden, und die Begleitpersonen hätten sich aus dem jeweiligen bäuerlichen Umfeld rekrutiert.

Unter diesem Aspekt bleibt nur der Schluss, dass die Familie Gluck eine Dienstwohnung direkt am Reichstädter Schloss bezogen hatte (und bis zu ihrem Weggang auch behielt), welche wiederum nur im noch heute erhaltenen Vorbau des Schlosses, der etliche Beamtenwohnungen enthielt, gelegen haben kann. Insofern nahmen die Glucks auch direkt an der "Mensa" der Großherzogin teil und waren nicht unbedingt darauf angewiesen, Wintervorräte einzulagern.
 
In diesem zweigeschossigen, administrativen Vorbau des Schlosses Reichstadt, am ehesten in dem hier nicht vollständig abgebildeten Nordflügel, der dem dazugehörigen Meierhof, den Stallungen und dem Zwinger des Schlosses am nächsten lag, vermuten wir die Dienstwohnung der Familie Gluck in den Jahren zwischen 1718 und 1722. Der kleine Christoph Willibald Gluck, der später ein berühmter Komponist werden sollte, wuchs also schon als Kleinkind im Umfeld des Großadels auf.

 
Der Nordflügel des Verwaltungsgebäudes am Schloss Reichstadt aus der Luft, Aufnahme vor Restaurierung der Schlossanlage. Hier konnte im Untergeschoss das Pferd des Oberförsters unterkommen. Dahinter, gerade noch am Bildrand erkennbar, lag der große Wirtschaftshof des Schlosses.

 

Wie hat die Familie Gluck am Schloss von Reichstadt gelebt?

Die wenigen Informationen hierzu entnimmt man ausschließlich den Reichstädter Taufmatrikeln. Aus der Auswahl an Taufzeugen und Taufpaten wird klar, dass sich Alexander Gluck und seine Frau von Anfang an nicht mit dem einfachen Volk von Reichstadt gemein machten:

Schon bald nach dem Umzug der Familie, genau am 2. Mai 1718, wurde das erste Mädchen der Glucks mit dem Namen Maria Anna Rosina aus der Taufe gehoben. Der Name kam nicht von ungefähr: Maria und Anna hießen - wie die Mutter Walburga mit ihren weiteren Vornamen selbst - die unverheirateten Taufpatinnen Maria Anna Bayer und Anna Rosina Schirmer, beide Hofangestellte. Letztere Jungfer war "hochfürstliche Hausmeisterin" der Großherzogin und ggf. auch Hebamme des Hofstaates, da sie ungewöhnlich oft in den Taufmatrikeln genannt wurde. Der "Cancelist" Augustin Karl Schirmer war vermutlich ihr Bruder oder Vater.

 
Taufe der Maria Anna Rosina Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Reichstadt, für den 02. Mai 1718.

Der Vorname "Rosina", mit dem das Gluck'sche Mädchen später gerufen wurde, stammte nicht allein von der Anna Rosina "Schirmerin", sondern wurde zu dieser Zeit in Reichstadt und Umgebung geradezu inflationär vergeben. Die Gründe hierfür sind uns nicht bekannt, aber vielleicht hatte dies mit der Pestheiligen Rosalia zu tun. Der Wahl des Rufnamens entnehmen wir, dass sich die Glucks durchaus der jeweiligen Ortstradition beugten, wie das auch schon bei ihrem Erstgeborenen, Christoph Willibald, der Fall gewesen war: Dieser wurde in der Kirche des Eichstätter Diözesanheiligen Willibald in Weidenwang getauft!

Als weiterer Taufpate oder Taufzeuge der kleinen Rosina - dies in in diesem Matirkeleintrag ausnahmsweise nicht spezifiziert - fungierte Herr Matthäus Taubner, Oberförster aus Bürgstein, der schon zuvor erwähnt wurde. Wir werden auf diesen Mann und seine Frau später nochmals zurückkommen.

 

Zwei Jahre später, am 25. August 1720, entband Walburga Gluck ein weiteres Mal, diesmal von einem Jungen. Franz Anton Ludwig sollte der Neugeborene heißen. Als Taufpaten fungierten diesmal /:titulo:/ "Ihro gestreng Herr" Johann Franciscus Schlaifert, /:titulo:/ "Ihro Hochwürden", Herr Krayßdechant Pater Johannes Georg Neumann, der Stadtpfarrer von Reichstadt, und Herr Johann Georg Ignaz Hilberth, hochfürstlicher Rentmeister, sowie die Jungfer Auguste Fingerstein, fürstliche Kammerjungfer, und Frau Anna Barbara Taubnerin. Letztere war wohl die Gattin des Oberförsters Taubner aus Bürgstein. Allein aus der Tatsache, dass nunmehr Frau Taubner eigens aus Bürgstein angereist war, erkennt man, dass sich die beiden Oberförster-Ehepaare angefreundet hatten. Einfache Bürger des Städtchens Reichstadt waren bei dieser Taufe erneut nicht zugegen.

Nebenbei: Wenige Tage später entband im "Jägerhaus in der Haydt" eine gewisse Dorothea Loßer, diesmal nicht die Jägersgattin!
 
Taufe des Franz Anton Ludwig Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Reichstadt, für den 25. August 1720.

 

Um es zu wiederholen: Angesichts solcher Personenlisten besteht kein Zweifel, dass die Glucks direkt am Schloss wohnten und quasi zum Hofstaat gehörten. Die Großfürstin selbst trat jedoch weder bei diesen Taufen noch bei allen anderen in Reichstadt persönlich auf!

Offen muss bleiben, ob Walburga Gluck zuhause in ihrer Dienstwohnung oder im Spital von Reichstadt entband, das schon 1554, zur Zeit der Herren von Berka, gestiftet worden war und im 18. Jahrhundert zwei eigene Hebammen beschäftigte. Unser Gefühl sagt uns, das eher das erstere der Fall war, zumal die hygienischen Verhältnisse im Bürgerspital nicht die besten gewesen sein dürften.

 

Ein weiterer Schluss: Die Glucks müssen sich in den viereinhalb Jahren ihres Hierseins eine gewisse Anerkennung und Respekt erworben haben, denn im folgenden Jahr 1721 erfreute sich das Ehepaar auch zunehmender Beliebtheit als Taufpate oder Taufzeuge, allerdings noch immer in Zusammenhang mit dem Hofstaat.

Am 4. August 1721 wird z. B. der Hof- und Kunsttischler Bernhardt Hillebrandt Vater eines Sohnes. Neben dem Taufzeugen "Alexander Gluckh Oberförster" und der bereits erwähnten Hausmeisterin Anna Schirmer findet sich nun unter den Zeugen auch "Rosalia Dubka (geschrieben als Dubkin), Bildhauerin", wohl die Gattin des Bildhauers Andreas Dubka. Die Glucks waren also auch den Künstlerkreisen am Schloss zugetan.
 
Alexander Gluck Taufpate am 4. August 1721.

Am 27. Oktober 1721 wird der Sohn des Tischlers Johann Georg Ryczan auf den Namen "Johann Thaddäus Alexander" getauft, wobei der letzte Taufname vom Taufzeugen "Hr. Allexander Gluckh Oberförster" stammte. Wieder ist bei dieser Taufe das Bildhauerehepaar Dubka mit von der Partie, nunmehr in Person des Bildhauers Andreas Dubka selbst, der sich als Taufzeuge zur Verfügung gestellt hatte!
 
Alexander Gluck Taufzeuge am 27. Oktober 1721.

Ob der Toskanische Hofbildhauer Andreas Dubka und seine Frau die herrliche Pestsäule von Reichstadt schufen oder die stattliche Reihe karyatiden-ähnlicher Halbfiguren an der Gartenterrasse des Schlosses ausführten und in Stand hielten, müssen wir offen lassen. Als Planer der Figurenwand werden der Architekt Antonio Octavio Broggio (1670-1742) oder der Baumeister der Großherzogin aus Prag, Johann Heinrich Klingenleitner (1668-1722) diskutiert.
 
Die Terrasse im Schlosspark von Reichstadt.

 
Lateinische Inschrift an der Dreifaltigkeitssäule von 1708, aus der Hand eines Bildhauers. Die Übersetzung lautet: "Anna Maria Franziska, von Gottes Gnaden Fürstin von Toscana, geborene Herzogin von Sachsen, Engern und Westfalen, hat aus dem Gefühl besonderer Frömmigkeit heraus gelobt, dass die vor Ihnen stehende Statue, die der Einheit in der Essenz, der Dreifaltigkeit in der Person, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist geweiht ist, zum ewigen Ruhm die Zeiten überdauere. 1708."

Schlussendlich erfährt man, dass das Ehepaar Gluck auch mit den Jägern auf der "Haydt" (an der Annahayd, in Haidedörfel) in gutem Einvernehmen stand. Als spät im Jahr 1721, genau am 20. November, dem (neuen?) Jäger Hans Georg Plauta und seiner Frau Marianne ein Mädchen geschenkt wurde, erhielt es den Namen "Anna Hellena Wallburga", nach seiner Taufpatin "Maria Walburga Gluckhin Oberförsterin".
 
Walburga Gluck Taufpatin am 20. November 1721.

 

In den Reichstädter Jahren muss sich das Ehepaar Alexander und Walburga Gluck finanziell wesentlich besser gestellt haben als zuvor. Rudolf Gerber berichtet in seiner Familiengeschichte, dass Alexander Gluck, der sich Zeit seines Lebens als "Bürger von Neustadt" bezeichnete, schon am 1. Juni 1720 und dann wieder am 6. Juli desselben Jahres zwei Mitbürgern in seiner alten Heimatstadt an der Waldnaab jeweils ein Darlehen von 200 Gulden gewährte (Gerber 144). Buchner wusste in seiner Aufzählung der Gluck'schen Darlehen von diesen Transaktionen allerdings nichts (Buchner 31f). Wir selbst haben den Sachverhalt nicht nachgeprüft.

 

In der Zeit der Glucks in Reichstadt erreichte der kleine Christoph Willibald Gluck die Schulreife. Ein Schulbesuch war allerdings damit - ein halbes Jahrhundert vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht durch die Maria-Theresianische Schulreform - noch lange nicht bewiesen. Leider konnten wir für die Zeit der Toskanischen Herrschaft in Reichstadt kein Gebäude ermitteln, in dem der Junge eingeschult worden sein könnte.

Schulen lagen damals fast immer in konfessioneller Hand:

 
Links eine historische Aufnahme der Klosterschule der Borromäus-Schwestern am Marktplatz von Reichstadt, rechts die Dechantei des Pater Neumann, direkt neben der Stadtpfarrkirche.

An der Kirche selbst wirkte damals der Kantor Johann Adam Franz Schlegel, der ebenfalls in den Taufmatrikeln von Reichstadt erscheint und vermutlich von der Großherzogin salariert wurde. Da dieser Mann sicher des Orgelspiels mächtig war und obendrein als Chorleiter fungierte, da sich Christoph Willibald Gluck als betagter Mann im Jahr 1773 des Musikunterrichts an den böhmischen Schulen und des Chorgesangs in der Kirche gezielt erinnerte, darf man im Kantor Schlegel den ersten Förderer von Glucks musikalischem Talent sehen. Sicherheit darüber gibt es allerdings nicht, auch kann der Schlegel'sche Einfluss, falls er wirklich bestand, nicht von langer Dauer gewesen sein, denn schon im Frühjahr 1722 verließen die Glucks ihr Reichstädter Domizil, um sich künftig in die Dienste des Grafen Kinsky nach Schönfeld bei Oberkreibitz zu begeben.

 

Über die Gründe von Alexander Glucks Wechsel des Dienstherren kann nur spekuliert werden:

 

Kurz bevor sich Alexander Gluck aus Reichstadt verabschiedete, war in Neustadt an der Waldnaab sein Vater und damit sein Helfer im Hintergrund verstorben, am 9. Januar 1722.

In der Fürstenfamilie von Lobkowitz ergab sich in diesem Jahr 1722 auch ein bedeutender Wechsel: Nachdem mit dem Tod der Kinder des Grafen Wenzel Ferdinand von Lobkowitz (1754-1697), Ludwig Philipp Franz (1687-1697) und Eleonore Karoline Charlotte (1684-1720), die Linie der Popel von Lobkowitz im Jahr 1720 ausgestorben war, fielen deren Besitzungen Bilin und Eisenberg zunächst an den Fürsten Philipp Hyazinth von Lobkowitz (1680-1737) aus der Linie Neustadt/Raudnitz, dessen erste Frau die verstorbene Eleonore gewesen war. Da man jedoch seinen Halbbruder aus der zweiten Ehe seines Vaters Ferdinand August, den Reitergeneral und künftigen Generalfeldmarschall Johann Georg Christian von Lobkowitz (1686-1755) abfinden musste, erhielt dieser aus dem Besitz der untergegangenen Linie Popel von Lobkowitz deren Besitzungen Bilin und Eisenberg zum Eigenbesitz, womit er eine zweite Fürstenlinie Lobkowitz neu gründete. Dies geschah genau im selben Jahr 1722, als Alexander Gluck seinen Dienst bei der Großherzogin von Toskana quittierte.

Sicherlich wäre für Alexander Gluck die Übernahme des Forstmeisteramtes von Schloss Eisenberg schon damals die attraktivste aller Anstellungen gewesen, zumal er damit der geliebten Heimat Neustadt an der Waldnaab um ein gutes Stück näher gekommen wäre. Da aber der dortige Forstmeister Matthias Schück noch nicht im Rentenalter war und dessen Stelle nicht einfach nachbesetzt werden konnte, bot sich ein zwischenzeitlicher Wechsel in den Forstdienst des Grafen Philipp Joseph Kinsky (1700-1749) in Böhmisch Kamnitz an. Dabei wird der Bürgsteiner Oberförster Mattäus Taubner, der mit den Glucks befreundet war und bei Graf Philipps Bruder Stephan Wilhelm Ulrich Kinsky in Diensten stand, welcher  Bürgstein nach dem Tod des Vaters Wenzel Norbert Oktavian Kinsky im Jahr 1719 übernommen hatte, vermittelnd tätig geworden sein.

Auffallenderweise finden wir in dieser Übergangszeit gerade die Familie Gluck in Bürgstein. Dies zeigt ein Taufbucheintrag für Bürgstein vom 18. Februar 1722, in dem Walburga Gluck für den Graf-Kinsky'schen Hauptmann von Bürgstein namens Martin Joseph Fleck und seine Frau Anna Katharina als Zeugin bei der Taufe ihrer neugeborenen Tochter Anna Maria assistierte. Man liest hier in der Personenliste: "Frau Waldtburgis, deß edelsten Herrn Allexander Gluckh, Oberförsters von Reichstadt, sein Eheweib."
 
Walburga Gluck Taufpatin in Bürgstein, am 18. 2. 1722

Der besagte Hauptmann Fleck endete übrigens tragisch; er wurde 14 Jahre nach diesem Ereignis, am 28. September 1736, bei helllichtem Tag vor dem Kreuz am Schloss Bürgstein von einen Widersacher erschlagen und am 1. Oktober desselben Jahres zu Grabe gebettet.

Am 30. März 1722 war dann das viereinhalbjährige Intermezzo der Försterfamilie Gluck in Reichstadt endgültig zu Ende.

 

 

Station 2: Böhmisch-Kamnitz - Oberkreibitz - Schönfeld

 

Alexander Gluck trat am 1. April 1722 seinen Dienst in der Graf-Kinsky'schen Forstverwaltung im Schloss von Böhmisch-Kamnitz an, einer Kleinstadt mit ca. 1500 Einwohnern (heute Ceská Kamenice). Das Wartenberg-Schloss, das die Familie Kinsky übernommen hatte, und in dem nun auch die Zentralverwaltung lag, stammte schon aus dem 16. Jahrhundert und kann damals wie heute nicht als Schönheit bezeichnet werden, vor allem wegen des schmucklosen Äußeren und der beengten Stadtlage. Aber immerhin deutete sich hier, als Alexander Gluck eintraf, ein bemerkenswerter Aufschwung an. So entstand gerade zwischen 1718 und 1723 hinter dem Schloss ein großer Meierhof zur Förderung der Schlosswirtschaft.
 
Das heruntergekommene Kinksy`sche Schloss in Böhmisch Kamnitz heute.

Die Familie Kinsky, obwohl bis dahin noch nicht in den Fürstenstand aufgestiegen, gehörte zu den mächtigsten Uradelsgeschlechtern Böhmens.

In Böhmisch-Kamnitz hatte soeben der junge Graf Philipp Joseph Kinsky (1700-1749), der Sohn des Grafen Wenzel Norbert Octavian Kinsky von Wchinitz und Tettau (1642-1719) aus dessen dritter Ehe, die Regie übernommen, nachdem beide Eltern bereits verstorben waren und sein älterer Stiefbruder Stephan Wilhelm Kinsky aus der Verantwortung zurückgetreten war.
 
Graf Philipp Kinsky, Stich der Österreichischen Nationalbibliothek. Unter dem Portrait steht in lateinischer Schrift: "Der hochberühmte Herr Herr (so!) und Graf des Heiligen Römischen Reichs Philipp Joseph Kinsky von Chinitz und Tettau, Erbherr von Böhmisch-Kamnitz, Herr in Zlonitz und Postwitz etc. Herr auf der Burg Prag, Ihrer Majestät, der katholischen Königin, Oberappellationsrath und Kämmerer.

Seine Hauptaufgabe sah der schwerleibige Graf Philipp sicherlich nicht in der Forstverwaltung. Offensichtlich mit genügend Intelligenz und Bildung bedacht, war er schon in ganz jungen Jahren auf eine Diplomatenlaufbahn vorbereitet und im Vorjahr 1721, als 21-jähriger frisch vermählt, zum Appellationsrat ernannt worden. In der Folge wird er rasch zu einem der wichtigsten Berater der Erzherzogin von Österreich, Maria Theresia, aufsteigen. Die weiteren Etappen seiner Hofkarriere lesen sich so: 1727 Appellations-Vizepräsident und Statthalter von Böhmen, 1728 bis 1735 bevollmächtigter Minister in England, 1736 böhmischer Hofkanzler, 1738 oberster Kanzler von Böhmen und Conferenzminister, ab 1742 engster Berater der 25-jährigen Maria Theresia in Wien, der immer wieder bei Krisen energisch in die Geschicke Böhmens eingriff. Graf Kinsky war also Zeit seines Lebens viel unterwegs. Böhmisch-Kamnitz wird er - im Gegensatz zu seiner Frau Maria Karolina Gräfin von Martinitz (1700-1785) - nur zu kurzen Aufenthalten besucht haben. Dies genügte allerdings, um bis 1734 insgesamt 8 Kinder zu zeugen.

Noch vor dem 30-jährigen Krieg, genau im Jahr 1613, hatte die Familie Kinsky den Ort Böhmisch-Kamnitz übernommen - und damit einen riesigen Forst, dessen westlicher Teil, den Alexander Gluck als Forstmeister nun schwerpunktmäßig übernehmen sollte, von Steinschönau bis hinauf nach Kreibitz und noch weiter reichte und mit der Grenze zum Kreis Bunzlau an die nördlichen Domänen der Großherzogin von Reichstadt anschloss. Dieser Forstbezirk Schönfeld, der in manchen Quellen auch Steinschönauer Revier genannt wird, umfasste die Einzelreviere Tannenberg, Schönfeld, Kaltenberg, Falkenau, Preschkau und Kamnitz. Hier gab es mehrere Forsthäuser, in denen die jeweiligen Revierförster wohnten, die nun Alexander Gluck untergeben waren, z. B. in Ulrichsthal, bei Kreibitz, in St. Georgenthal und Falkenau. Hinzu kam das Kinsky`sche Hegerhaus bei der Kreuzbuche, am Pass zwischen Kamnitz und Kreibitz, welches heute zu einem kleinen Museum ausgebaut ist, weil es sowohl 1757 im Siebenjährigen Krieg als auch 1938 bei der Verteidigung der Tschechen gegen Nazi-Deutschland umkämpft war.
 
Die Wäldereien des Grafen Philipp Joseph Kinsky: Der Forstbezirk Schönfeld, im südlichen Anteil auch Steinschönauer Revier genannt, ist rot unterlegt, der Forstbezirk Rennersdorf gelb.

Der Wald des Grafen Kinsky war aber um ein Vielfaches größer als dieser Schönfelder Bezirk, denn er umfasste in einem zweiten Bezirk Rennersdorf auch das nordwestliche Bergland von Böhmisch-Kamnitz und erstreckte sich hinter dem Lausitzer Gebirge sogar bis in das sogenannte "Schleinitzer Ländchen", das damals ebenfalls den Kinskys gehörte. Der Forstbezirk Rennersdorf umfasste die Einzelreviere Windisch-Kamnitz, Dittersbach, Rennersdorf, Taubitz und Nassendorf.

Insgesamt 42 Einzelreviere der Familie Kinsky soll es gegeben haben, mit einem wertvollen Bestand an Laub- und Nadelbäumen, Fichten, Tannen, Buchen, Lärchen, Birken, Ahorne, Erlen und Kiefern. Nur die Eiche, welche Alexander Gluck bestens vom Seligenportner Forst bei Weidenwang her kannte, war hier nicht heimisch, und auch nicht mehr die Eibe, die, im Mittelalter als Waffenholz hochbegehrt, noch einigen Waldbergen den Namen gegeben hatte, inzwischen aber bis auf geringe Restbestände ausgerottet war.

Da Alexander Gluck nun erstmals zum Forstmeister vom Böhmisch-Kamnitz, d. h. zum Vorgesetzten aller Revierförster ernannt worden war, hatte er vielleicht den gesamten Holzabtrieb und die Waldpflege im Forst des Grafen Kinsky zu organisieren und koordinieren. Dies betraf natürlich in erster Linie den Bezirk Schönfeld, in dem er alsbald seinen Lebensschwerpunkt nahm. Da aber zur Zeit Alexander Glucks kein weiterer Forstmeister in Böhmisch-Kamnitz auszumachen ist, ist es nicht ausgeschlossen, dass er zusätzlich auch die Aufsicht über den Forstbezirk Rennersdorf führte.

In seiner neuen Funktion blieben Alexander Gluck und seine Familie jedoch nicht in Böhmisch-Kamnitz, das am Südrand beider Forstbezirke lag, sondern sie zogen in das weitaus zentraler gelegene Graf-Kinsky'sche Forsthaus in Schönfeld Nr. 8. Das Straßendorf Schönfeld (Krásné Pole) war ein Ortsteil von Oberkreibitz (Horní Chribská) - und dieses wiederum ein Stadtteil von Kreibitz (Chribská). Oberkreibitz war vor allem bekannt durch seine seit 1594 bestehende Glashütte, der ältesten von ganz Böhmen.
 
Das Graf-Kinsky`sche Forsthaus in Schönfeld (Krásné Pole) bei Kreibitz (Chribská) - mit alter Siegelmarke aus fürstlicher Zeit.

Dieses stattliche, zweigeschossige Forsthaus Schönfeld Nr. 8 mit seinem regionaltypischen Walmdach und seinem  holzverkleideten Fachwerk-Obergeschoss ist zwar später mehrfach umgebaut und renoviert worden; in seiner barocken Grundsubstanz blieb es jedoch erhalten und dient heute einer Kreibitzer Familie als Ferienpension. [Ferienpension Laura]
 
Das Forsthaus von Schönfeld heute - Pension Laura.

Es handelt sich um das einzige böhmische Forsthaus, das direkt mit der Familie Gluck in den Jahren zwischen 1722 und 1727 assoziiert werden kann, und auch das einzige, das in Zusammenhang damit die Aufmerksamkeit des tschechischen Denkmalschutzes erfahren hat. Seine Eingangstür ziert heute ein modernes Schild, das auf den Komponisten Willibald Gluck hinweist.
 
Das Forsthaus von Schönfeld heute - Pension Laura.

 
Das dreispachige Schild für Christoph Willibald Gluck neben der Eingangstür - leider mit einigen Fehlinformationen.

Wir hatten im Frühjahr 2020 den Vorzug, dieses geschichtsträchtige Forsthaus zu besuchen und konnten sogar eine Nacht im zur Ferienwohnung umgebauten Nordtrakt verbringen, der zu Alexander Glucks Zeiten der Wirtschaftsraum mit den Forstgeräten, die Stallung für die forstmeisterlichen Pferde und der Unterstand für einen Einspänner gewesen war. Welch ein Unterschied zum Forstraum im Gluck'schen Geburtshaus von Weidenwang, welcher im Grunde genommen nur ein kleiner Holzverschlag gewesen war und selbst 1723/24 bei der Renovierung des Hauses nur ein kleines, aus Bruchstein gemauertes, für eine Stallung nicht geeignetes Pendant als Anbau fand.
 
Die Nordseite des Forsthauses, dahinter der ehemalige Stalltrakt, der zur Ferienwohnung ausgebaut ist.

 
Die Ferienwohnung, vormals Stall und Remise.

 

In Schönfeld bei Oberkreibitz kamen im Abstand von jeweils 2 Jahren drei weitere Kinder der Forstmeisterfamilie Gluck auf die Welt, deren Einträge im Taufbuch der Pfarrgemeinde St. Georg in Kreibitz wir im Folgenden vorstellen:

Den Anfang machte am 18. November 1722 der Sohn Franciscus Carolus, der noch in Reichstadt gezeugt worden war. Als Taufpate stellte sich den Glucks mangels sonstiger Bekanntschaft der "wohl erwürdige" Pfarrherr Johann Jakob Knappe von Kreibitz zur Verfügung, sowie der "wohl geborene Herr Herr Frantz. Carl des Herrn K. K. .... von Schwerk, Herr auf ...guth". Als Zeugen fungierten Balthasar Knappe, Stadtrichter in Böhmisch-Kamnitz und Frau Anna Elisabeth Henke, kaiserliche Zolleinnehmerin.

Franz Karl wurde später Jäger in Baumgarten an der March in Niederösterreich, er blieb also in der beruflichen Tradition des Vaters.

 
Geburt des Franz Karl Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 18. November 1722.

Wie man am Matrikeleintrag sieht, hatten sich die Glucks bei der Taufe des eigenen Kindes wiederum mit relativ hochstehenden Personen umgeben, die aus dem administrativen Umfeld von Böhmisch-Kamnitz kamen, wenn man vom Pfarrer Knappe aus Kreibitz absieht.

 

Im Jahr 1724 hatte sich Walburga Gluck schon soweit in die Bevölkerung von Kreibitz und Umgebung integriert, dass sie nun selbst als Taufpatin zugezogen wurde. So geschah es z. B. am 24. April 1724, als "auf der Taubitz", d. h. im Waldhufendorf Daubitz (heute Doubice) westlich von Kreibitz, ca. 9 km vom Wohnort der Glucks entfernt, dem Ehepaar Paul und Anna Maria Auerbacher ein Mädchen geboren wurde. Da "Maria Walpurga Glukin" als Taufpatin fungierte, erhielt das Mädchen den schönen Namen Mariana Walpurgis. Taufpfarrer war damals der Kaplan Johann Georg Palme, wohl aus der Glasmacherfamilie Palme, der hier den Kreibitzer Stadtpfarrer, Kurat Johann Jakob Knappe, ersetzte. Vermutlich handelte es sich bei den Kindeseltern um Verwandte des mit den Glucks befreundeten Oberförsters Taubner aus Bürgstein, denn ein Johann Albert Taubner taucht unter den weiteren Taufzeugen auf.
 
Walburga Gluck als Taufpatin. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 24. April 1724.

Dünkel gegenüber der Oberkreibitzer Bevölkerung scheinen die Glucks nicht gehegt zu haben, denn am 12. August 1724 stellt sich "Maria Walpurga Glukin" als Taufpatin für die neugeborene Tochter des Ehepaares Maria Elisabeth und Johann Christoph Palme aus Oberkreibitz zur Verfügung. Johann Christoph Palme war auch kein einfacher Mann aus dem Volk, sondern ein reicher Glasgroßhändler, der von Nordböhmen aus Handelsbeziehungen in fast alle Höfe Europas, bis nach Lissabon, St. Petersburg und Moskau, unterhielt. Er war wohl der Bruder des Hüttenmeisters Joseph Palme, aus der Glashütte von Oberkreibitz, der ältesten in ganz Böhmen - mit Anfängen um 1427. Im nämlichen Jahr 1724 produzierte Joseph Palme erstmals die ersten Glaslampen der Welt!
 
Walburga Gluck als Taufpatin. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 12. August 1724.

Die Verbindung der Familie Palme zur Familie Gluck erklärt sich nicht nur durch die Nachbarschaft, sondern vor allem über den hier nicht mit-erwähnten Alexander Gluck. Die Glashütte, die schon zur Zeit der Glucks eine Vielzahl an Glasmeistern, Glasschneidern, Glasschleifern, Glasformern, Glasmalern und Flaschnern beschäftigte, benötigte zum Schmelzen des Glases in den Hochöfen enorm viel Holzkohle - und das für die Holzverkohlung nötige Brennholz kam wiederum vom Graf-Kinsky`schen Forstmeister!
 
Postkarte von Oberkreibitz von der Mitte des 20. Jahrhunderts. Rechter Pfeil: Fürst-Kinsky'sches Forsthaus, ehedem Wohnhaus der Familie Gluck. Rechter Pfeil: Die Glashütte von Oberkreibitz. Im Hintergrund der Tannenberg.

Doch damit hatte es mit der Patenschaft der Walburga Gluck in diesem Jahr 1724 noch kein Ende. Selbst bereits in hochschwangerem Zustand, wohnte Frau Gluck am 28. November 1724 in der Kirche von Kreibitz einer Taufe des Zolleinnehmers Elias Henke und seiner Frau Anna Elisabeth bei, die ihrerseits 1722 bei der Entbindung des Sohnes Franz Karl als Zeugin der Glucks eingesprungen war.

Man hatte sich also inzwischen mit diesem Ehepaar aus der Beamtenschaft des Grafen Kinsky angefreundet!
 
Walburga Gluck als Taufzeugin. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 28. November 1724.

 

Nach der Jahreswende 1724/25 entband das Walburga Gluck selbst von ihrer zweiten Tochter Anna Elisabeth. Dies war die erste Taufe des Jahres 1725 in der Kirche St. Georg von Kreibitz und fand an einem kalten 22. Januar statt. Taufzeuge war der besagte Zolleinnehmer Elias Henke, den der Leser bereits kennengelernt hat. Als Taufpatin trat nun erstmalig "die ehren- und tugendsahme Jungfer Anna Josepha Diderlin" auf, "welche gesendet (war) von der hoch- und wohlgebohrenen Gräfflichen Freiherrin N: von Martinitz." Die Rede ist hier von einer Kammerjungfer der Gräfin von Martinitz (1700-1785) in Böhmisch-Kamnitz, der kinderreichen Gattin des Grafen Philipp Joseph Kinsky. Das Grafenpaar von Kinsky muss sich also in diesem Winter in Böhmisch-Kamnitz aufgehalten und Sorge für die Kindschaft eines ihrer hohen Beamten getragen haben! Von der Kammerjunger Diderlin alias Diderlein nehmen wir an, dass es sich bei ihr um die erfahrene Hebamme der Gräfin Kinsky gehandelt hat.

Anna Elisabeth Gluck wird später ihre beiden Eltern überleben und im Jahr 1745 in Obergeorgenthal Friedrich Kramer aus Dux ehelichen und danach drei Kindern namens Stephan, Johann und Charlotte das Leben schenken. Ihr Tod ist kurz vor 1787, dem Sterbejahr ihres Bruders Christoph Willibald Gluck, anzusetzen.

Was die Kammerjungfer der Gräfin Martinitz anbelangt, so wird sie als Hebanne auch der letzten Oberkreibitzer Geburt der Walburga Gluck beiwohnen, welche ca. zweieinviertel Jahre nach der zweiten stattfand. Am 9. Mai 1727 taufte in der Kirche St. Georg in Kreibitz Herr Kurat Knappe den 5. Sohn des Forstmeister-Ehepaars Gluck auf den Vornamen Heinrich Joseph. Taufpate war damals der "ehrwürdige Herr Pater Heinrich Johann Schleichert, Pfarrherr im Reichstädtischen Zwickau." Als Taufzeugen fungierten der ebenfalls schon erwähnte Hauptmann Joseph Martin Fleck und der bereits in Reichstadt vorgestellte Matthäus Joseph Taubner, der in zwischen selbst zum Forstmeister aufgestiegen war, beide wohnhaft in Bürgstein. Die Martinitz'sche Hebamme und "Jungfer Anna Maria Diderlein" (so!) war als Taufzeugin wieder mit von der Partie!

Das spätere Schicksal dieses Gluck'schen Sohnes ist bis heute nicht geklärt.

 
Taufe des Heinrich Joseph Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 9. Mai 1727.

 

Im Jahr vor ihrer letzten Entbindung in Schönfeld/Oberkreibitz war Walburga Gluck als Patin und Zeugin auch zu Taufen einheimischer Familien aus Oberkreibitz, Taubitz und Kreibitz geladen, die nicht aus der Kinsky'schen Beamtenschaft kamen. Der in den Schriftbelegen angesprochene Personenkreis soll hier nicht weiter besprochen werden. Dem Sachverhalt als solchem entnimmt man den wichtigen Hinweis, dass sich die Familie Gluck nun auch sozial integriert hatte, wobei hierbei die entscheidende Rolle sicherlich der beliebten Walburga Gluck zugefallen war.
 
Walburga Gluck als Taufpatin und Taufzeugin. Auszug aus dem Kirchenbuch Kreibitz, für den 27. Januar, 26. April und 13. Oktober 1726.

 

Dass im Gegensatz zur Reichstädter Zeit der Forstmeister Alexander Gluck selbst in den Paten- und Zeugenlisten dieser Jahre nicht auftaucht, braucht nicht zu verwundern. Er war, obwohl ein energischer und auch durchsetzungsfähiger Mann, sicherlich durch seine Dienstaufgaben in dem Kinsky'schen Waldgebirge vollends ausgelastet, war ständig unterwegs und auf Achse und er übernachtete sicher auch oft auswärts, so dass die Mutter Gluck mit ihren bis dahin geborenen sieben Kindern den Haushalt im Forsthaus von Schönfeld ganz allein führen musste.

Wenn unter solchen Umständen die beiden ältesten Söhne, Christoph Willibald und Christoph Anton, welche nun bereits 13 bzw. 11 Jahre alt waren, den "in den Forst reitenden Vater im strengsten Winter, um der Abhärtung willen, nicht selten barfüßig begleiten und ihm verschiedene Jagd- und Messgeräthe nachtragen mussten" (Schmid 20), dann war dies nicht Ausdruck eines väterlichen Sadismus, sondern ganz einfach eine Lebensnotwendigkeit. Die Söhne lernten möglichst früh Selbständigkeit, erhielten Einblicke ins Forstwesen und Mutter Walburga war um einen Teil ihrer Kinder entlastet. Und der Umstand, dass damals noch nicht für alle Familienmitglieder lederne Winterstiefel vorhanden waren, war ebenfalls normal und kein Zeichen von Knausrigkeit.

Die amtlichen Schreiben des Forstmeisters Gluck sind uns nur aus zweiter Hand bekannt, da wir diesbezüglich nicht selbst in die tschechischen Archive gegangen sind. Rudolf Gerber schrieb in seiner Familiengeschichte, dass Alexander Gluck einem Autographen im Stadtmuseum Böhmisch-Kamnitz zufolge (Quittung des Jahresgehalts), seinen Dienst am 1. April 1722 angetreten hatte. Dieses Dokument wurde am 24. Januar 1723 verfasst, d. h. zum Beginn der Schlenkerwoche, zu der auch alle Forstknechte ausbezahlt wurden, um nach Ende des jeweiligen Dienstjahres, am 3. Februar (dem Tag nach Mariä Lichtmess), ihre neuen Dienstverhältnisse in der Landwirtschaft anzutreten. [Link]

Von den vielen Dienstzetteln Alexander Glucks, die sich im Kinsky'schen Forstarchiv erhalten haben, zeigen wir hier als Bild ein Exemplar vom 13. Mai 1723, das sich heute im Stadtmuseum Berching befindet:
 
"Daß Forstambt Böhmisch Kämnitz, folge zur Reparierung des wandelbahren Dachs auf einer Saithen des Zighl Schopfen Viertzig Schoks Schindln, und bringe solche bey Behöriger Rubric in Außgab, Actum Kamnitz den 13 May A 1723." Darunter "Idest 40 sch. Schindln In Außgab. Andreas Frantz Hikisch m(anu)pr(opr)ia Allexander J(ohannes) Glukh."

Man ersieht aus solchen Belegen, das Alexander Gluck nahezu regelmäßig zwischen Böhmisch-Kamnitz und Oberkreibitz hin- und herpendeln musste - auf immerhin einfacher Reitstrecke von 11 km Bergland.

Alexander Gluck stand als Forstmeister von Böhmisch-Kamnitz, mit Sitz in Oberkreibitz, einer ganzen Anzahl an weiteren Revierförstern und Jägern vor. Einer von Ihnen wohnte hoch über Kreibitz auf dem Pass, der im 19. Jahrhundert Klein Semmering (Malý Semerink) hieß. Dort oben, in luftiger Höhe und herrlicher Natur, wurde später die Eisenbahnstrecke von Hayda (Nový Bor) nach Schönlinde (Krásná Lípa) errichtet und an der dortigen Bahnstation für Kreibitz entstand ein Luftkurhotel.
 
Die Forsthäuser von Oberkreibitz, eingezeichnet in die Franziszeische Landesaufnahme 1842-1853.
Errichtet war das schöne Umgebindehaus in malerischer Lage, an einem mittelalterlichen Vogelherd; es lag auf einer Terrasse an einem gestuften Felssturz, von dem man bis nach Oberkreibitz hinabblicken konnte. Da dieses Haus in seiner für die Gegend typischen Bauart für viele der damaligen Forsthäuser steht, zeigen wir es hier mit einer historischen Abbildung, denn von ihm ist heute nichts als das Fundament geblieben.

Es ist anzunehmen, das Alexander Gluck und seine Familie bei sonntäglichen Ausflügen des Öfteren hierher hinaufstiegen!
 
Das zum Forstrevier Kreibitz gehörige Forsthaus am Pass und Höhenkurort Malý-Semerink = Klein-Semmering (Lithographie um 1900).

Ein weiteres Exemplar dieser Häuser wurde viele Jahrzehnte später, im Jahr 1876, in unmittelbarer Nachbarschaft des Graf-Kinsky'schen Forsthauses Schönfeld Nr. 8 errichtet. Es diente einem Jäger als Unterkunft, ist heute ebenfalls eine Ferienpension (Pension Nostalgie) und trägt die Hausnummer Schönfeld Nr. 64.

 

Dass Alexander Gluck als Forstmeister des Grafen Kinsky erfolgreich agierte, erkennt man daran, dass er ein erhebliches Geldvermögen ansammeln konnte. Dieses investierte er, wie zuvor schon in Reichstadt, mit Vorliebe in seiner Heimatstadt Neustadt an der Waldnaab. Die Gluck-Biografen nennen nach den Neustädter Ratsprotokollen folgende Vorgänge (Gerber 145, Buchner 32f):

Möglicherweise imponieren diese Geldtransaktionen des Forstmeister Glucks umfangreicher, als sie sind. Zum Teil klingen die Angaben Buchners und Gerbers inkonsistent, z. T. kann ein Teil der Gelder unter den Darlehensnehmern zirkuliert haben und muss nicht jedes Mal aus Oberkreibitz neu angewiesen worden sein.

Wer hat Alexander Gluck damals über die Geldnöte in Neustadt berichtet? Da sein Vater seit dem Jahr 1722 nicht mehr am Leben war, kann es nur eine jener beiden Halbgeschwister gewesen sein, von denen eines auf dem Elternhaus geblieben war: Georg Christoph, Johann Christoph oder Maria Magdalena, welche einen gewissen Gottfried Werner heiratete.

Soweit zur erfolgreichen Karriere Alexander Glucks im Oberkreibitz.

 

In den fünf Jahren des Hierseins war nun der erstgeborene Christoph Willibald Gluck und sein Bruder Anton bereits in einem Alter, in dem sie die Schule von Kreibitz besuchen mussten.

Noch im Alter von 60 Jahren erzählte Christoph Willibald Gluck in Paris dem Hofmaler Johann Christian von Mannlich (1741-1822) und seiner Familie mit Stolz von der musikalischer Tradition in seiner böhmischen Heimat:

"Mein Vater war Forstmeister in einem böhmischen Orte und hatte mich zu seinem Nachfolger bestimmt. Aber in meiner Heimat treibt alles Musik, selbst in den kleinsten Dörfern: die Jugend in der Schule, die Alten auf dem Kirchenchor. Leidenschaftlich für diese Kunst entflammt, kam ich erstaunlich schnell vorwärts, spielte mehrere Instrumente und der Lehrer unterwies mich auch noch in seinen Mußestunden. Mein ganzes Sinnen und Trachten galt schließlich nur noch der Musik..." (Mannlich 285)

Wenn dem so war, wie der Komponist erzählte, dann deutete sich schon in Oberkreibitz das musikalische Genie des kleinen Christoph Willibald Gluck an. Und es besteht kein ernsthafter Zweifel darüber, dass sich Gluck konkret an die Schul- und Kirchstadt Kreibitz der Jahre zwischen 1722 und 1727 erinnerte, und nicht etwa an das frühere Reichstadt, wo es auch Unterricht und Chorgesang gegeben hat, oder das spätere Eisenberg.

Kreibitz ist heute eine idyllische Kleinstadt mit vielen historischen Gebäuden, aber es hat sich dennoch seit dem 17. Jahrhundert sehr verändert:

 
Postkarte der Stadt Kreibitz von 1910: Das wie ein großer Kubus wirkende Haus im Sezessionsstil, links im Vordergrund, ist die Kaiser-Franz-Josef-Volks- und Bürgerschule von 1909.
 
Der neue Pfarrhof des Kuraten Johann Jakob Knappe von 1726, erbaut zur Zeit der Familie Gluck.

 
Der Marktplatz von Kreibitz um 1940. Das stattliche Haus rechts der Bildmitte im Hintergrund ist das Schulhaus von 1859.

Glücklicherweise ist es bei unserem Kurzbesuch von 2020 gelungen, mit Hilfe einer alten Postkarte das echte Gluck'sche Schulhaus zu identifizieren. Erwähnt wurde eine Schule in Kreibitz schon im Jahr 1527, das erste bekannte Schulhaus von Kreibitz wurde im Jahr 1605 errichtet und blieb bis zum Jahr 1857 ununterbrochen in Betrieb, stand also auch einem Schüler namens Christoph Willibald Gluck und seinen Geschwistern zur Verfügung.

Heute ist das malerische, z. T. aus Holz errichtete Haus in Privatbesitz und Blickfang in der Gasse unterhalb des Marktplatzes, wo neben diesem Haus auch noch eine Reihe von anderen alten Holzhäusern steht.
 
Das alte Schulhaus von Kreibitz, in dem zwischen 1722 und 1727 auch Christoph Willibald Gluck unterrichtet wurde.

Hier in dieser Gasse am Kamnitzbach kommt man der Zeit der Glucks in Kreibitz am nächsten, hier also hat Christoph Willibald Gluck seine Liebe zur Musik entdeckt.

Um das Schulhaus zu erreichen, musste Christoph Willibald und sein Bruder Christoph Anton Tag für Tag 4,5 km Schulweg hin und zurück absolvieren. Es ist anzunehmen, dass sich schon damals der Rufname des späteren Komponisten von Willibald auf den Taufpatennamen Christoph änderte (nach Christoph Fleischmann, Wirt und Bäcker von Weidenwang), da dieser Name "Christoph" nach den Matrikeln von Kreibitz weitest verbreitet und jedem bekannt war, im Gegensatz zum unbekannten Willibald.
 
Das alte Schulhaus von Kreibitz, mit einem schönen rundbogigen Doppeleingang (weil Mädchen und Knaben in diesem Schulhaus vermutlich einst in getrennten Klassenzimmern unterrichtet wurden).

Ein kurzer Satz in der Schmid'schen Gluck-Biografie hat später die Frage aufgeworfen, ob Christoph Willibald Gluck die besondere Förderung durch einen Lehrer von Böhmisch-Kamnitz erhalten hätte, dessen bekannte, seit dem 16. Jahrhundert bestehende Musikschule an der Kirche St. Jakob später einen so bekannten Musiker wie Anton Dvorak hervorbrachte. Dies erscheint uns zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht sehr wahrscheinlich, denn der Junge hätte damit von Schönfeld nach Kamnitz eine Bergstrecke von immerhin 12 km einfach absolvieren müssen - und das womöglich allein und jeden Tag hin und zurück! Dass ihn die Eltern dorthin gebracht hätten, ist umso unwahrscheinlicher, als beide reichlich mit ihren Aufgaben in Beruf und Familie beschäftigt waren.

Leider ist es uns bis dato nicht gelungen, den Namen des Schullehrers auszumachen, der im Kreibitzer Schulhaus Christoph Gluck freiwillig in seiner Freizeit Unterricht erteilte. Gluck soll in dieser Zeit u. a. das Spiel des Violoncellos und der Geige erlernt haben.

Dass das musikalische Leben der Stadt Kreibitz in der betreffenden Zeit einen erheblichen Aufschwung genommen hatte, ist indes allseits bekannt, denn hier wirkte bis kurz vor Eintreffen der Familie Gluck der überregional bekannte Kantor Georg Friedrich (1644-1719). Dieser stammte aus der berühmten, weil ältesten Glasmacherfamilie von Böhmen, welche in der Oberkreibitzer Glashütte das böhmische Kristallglas erfunden hatte und sich später in zahlreichen europäischen Ländern ausbreitete und neue Glasmacher-Dynastien gründete. Vor allem im Kreibitzer Kirchenchor, den Gluck dem Hofmaler Mannlich gegenüber eigens erwähnt hatte, dürfte dieser Kantor die Spuren seines Könnens hinterlassen haben. Diesen Mann persönlich kennengelernt haben die Glucks allerdings nicht, da er 3 Jahre vor ihrem Eintreffen verstarb - es sei denn, sie hätten schon zu Lebzeiten des Kantors die Stadt besucht, was nicht ausgeschlossen ist. Über seinen Nachfolger haben wir noch nichts Näheres in Erfahrung gebracht.

 

Es ist anzunehmen, dass sich der junge Musikant Gluck in Kreibitz angesichts der Förderung, die sein Talent hier erfuhr, sehr wohlfühlte. Umso größer muss der Schock gewesen sein, als sein Vater im Frühjahr 1727 plötzlich verkündete, dass man in Bälde ein weiteres Mal umziehen müsse. Walburga Gluck hatte zu diesem Zeitpunkt gerade von ihrem jüngsten Sohn entbunden!

Was war geschehen?

Gluck-Biograf Croll berichtet, dass der missgünstig gesonnene Hauptmann von Böhmisch-Kamnitz, dem mit der Anstellung des Forstmeisters Gluck ein Gutteil seines eigenen Gehaltes gekürzt worden war, im Jahr 1727 gegen Alexander Gluck intrigierte, ihn bei Graf Philipp Kinsky verleumdete und so seine umgehende Kündigung erreichte (Croll 19). Fristlos war diese Kündigung im Mai 1727 allerdings nicht, denn es blieb dem Forstmeister noch eine geraume Übergangsfrist. Auch sind wir uns nicht sicher, dass dieses "Mobbing" des Hauptmanns von Böhmisch-Kamnitz Alexander Gluck "völlig unerwartet" traf. Von ihm ist schon aus seiner Zeit im Sulzgau bekannt, dass er sich selbst nie verriet, dass er Konflikte nicht scheute, wenn er sich im Recht glaubte, dass er auf seine Ansichten und Rechte pochte und eine Kündigung dieser Art sogar geschickt provozierte, wenn er hinterher mit einer lukrativen Abfindung rechnen konnte. Zumindest im Sulzgau scheint diese Raffinesse Alexander Glucks nicht unerheblich gewesen zu sein (Robl 207f).

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Alexander Gluck schon vor seiner Kündigung in Böhmisch-Kamnitz eine Anstellung des Hauses Lobkowitz in Eisenberg, bei den Herren seines verstorbenen Vaters, ventiliert hatte, ja diese vielleicht schon seit seinem Weggang aus Reichstadt mit dem Haus Lobkowitz verabredet hatte, ehe es in Böhmisch-Kamnitz plötzlich Spitz auf Knopf stand und es kurze Zeit später zum Bruch kam. Recht viel anders ist der nahtlose Übergang Alexander Glucks zum Forstmeister von Eisenberg auch nicht zu erklären. Der alte Forstmeister war dort kurz zuvor aus dem Amt geschieden und die avisierte Stelle war jetzt frei - und wie geschaffen für Alexander Gluck, der sie zu Herbstbeginn 1727 antrat.

 

 

Station 3: Schloss Eisenberg

 

 
Schloss Eisenberg - Ausschnitt eines Gemäldes von 1882.

Es dürfte der 1. Oktober 1727 gewesen sein, an dem Alexander Gluck als Forstmeister des Fürsten Georg Christian von Lobkowitz (1686-1755) in der Herrschaft Eisenberg (Jezeri) angestellt wurde.
 
Schloss Eisenberg heute.

Fürst Georg Christian von Lobkowitz, ein Sohn des Fürsten Ferdinand August aus 2. Ehe, hatte die Militärlaufbahn eingeschlagen und unter dem Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee, Prinz Eugen von Savoyen, zwei Jahre im venezianischen-österreichischen Türkenkrieg gedient. In etwa zur selben Zeit, als Alexander Gluck in Reichstadt als Oberförster Fuß gefasst hatte, hatte Fürst Georg Christian die junge Karoline Henriette von Waldstein (1702-1780) geehelicht, mit der er insgesamt 10 Kinder zeugte. Das Lobkowitz'sche Schloss Eisenberg hatte er zusammen mit Schloss Bilin erst jüngst, im Jahr 1722, übernommen.

Von seinem böhmischen Besitz hatte der hohe Militär nicht viel, denn er weilte viel bei kriegerischen Einsätzen in Italien und stieg dort vom Generalfeldwachtmeister in Neapel (1729) über den Gouverneur von Sizilien (1732) bis zum Feldmarschall-Lieutenant (1733) auf. Im Jahr 1734 wurde er General der Kavallerie, führte 1739 das Kommando in Siebenbürgen und wurde zum Ritter des Ordens von Goldenen Vlies ernannt. Erst im Jahr 1742, im Österreichischen Erbfolgekrieg, kehrte Georg Christian beruflich nach Böhmen zurück und wurde Feldmarschall in Böhmen. Zwischen 1743 und 1745, als das Ehepaar Gluck nicht mehr lebte, nahm der Fürst das Gouvernement im Herzogtum Mailand und in Parma wahr, was dem damals dort weilenden Christoph Willibald Gluck die Gelegenheit gab, dem ehemaligen Dienstherrn seines Vaters drei seiner ersten Opern zu widmen. Soviel im Vorgriff.

Fürst Georg Christian wurde auch dadurch berühmt, dass Angelo Soliman, ursprünglich ein schwarzafrikanischer Sklave, sein Kammerdiener, Freund und ständiger Begleiter im Krieg wurde.
 
Das einzige Konterfei Georgs Christian von Lobkowitz.

Angesichts dieser Karriere des Fürsten, fern von Eisenberg, könnte man nun meinen, dass Alexander Gluck als Forstmeister desselben wegen dessen ständiger Abwesenheit kein persönliches Vertrauensverhältnis zu diesem hätte entwickeln können. Doch dem war beiliebe nicht so, denn Alexander Gluck und der vier Jahre jüngere Georg Christian kannten sich bestens von ihrer Zeit in Neustadt an der Waldnaab her. Beide hatten die unbeschwerten Jugendjahre Tür an Tür verlebt, hatten vielleicht zusammen mit dem Vater Glucks diverse Male an Hofjagden teilgenommen und waren vermutlich deshalb gute Freunde. Von daher nimmt es auch kein Wunder, wenn Alexander Gluck in Eisenberg den Zuschlag als Forstmeister erhielt: Er war beileibe kein Fremder! Und es spricht, wie bereits gesagt, Einiges dafür, dass dieser Wechsel nach Eisenberg vielleicht schon im Jahr 1722 von beiden Jugendfreunden ins Auge gefasst worden war.

Keiner der Gluck-Biografen hat sich mit dieser Beziehung zwischen Alexander Gluck und Fürst Georg Christian befasst, stattdessen den Eisenberger Aufenthalt der Glucks mit Philipp Hyazinth von Lobkowitz, den älteren Halbbruder des Fürsten Georg Christian, verknüpft (Gerber 146, Croll 19).

Fürst Philipp Hyazinth als Vertreter der Hauptlinie derer von Lobkowitz, der in Neustadt a. d. Waldnaab ebenfalls mit von der Partie gewesen sein dürfte, hat mit dem Wechsel Alexander Glucks nach Eisenberg nichts zu tun - zumindest nicht auf direktem Wege. Umso mehr sehen wir seinen Einsatz für dessen Sohn Christoph Willibald Gluck, nach seinem Eintreffen in Wien im Jahr 1734. Philipp Hyazinth, der nun die meiste Zeit in Wien am Kaiserhof verbrachte, war wie sein Vater Ferdinand August ein begabter Dilettant (Amateurmusiker, damals positiv besetzter Begriff!) auf der Laute, sein Sohn Ferdinand Philipp Joseph dasselbe auf der Geige. In ihrem Kunstsinn und ihrer Liebe zur Musik scheinen beide Fürsten den jungen Komponisten Gluck vor den Toren Wiens in ihr Gartenpalais"Auf der Wieden" aufgenommen zu haben, das aus dem Gasthaus "Zum Goldenen Walfisch" hervorgegangen war und direkt hinter dem Paulanerkloster lag. Im Lobkowitz'schen Gartenpalais, inmitten von Weingärten und in ländlicher Atmosphäre, muss sich der junge Musiker Gluck in den wenigen Jahren seines Dortseins (1734 bis 1737, dem Todesjahr des Fürsten Philipp Hyazinth) so wohl gefühlt haben, dass er im hohen Alter, als das Gartenpalais der Lobkowitz längst im Fabrikbetrieb des sog. "Gusshauses" aufgegangen war und die Familie Lobkowitz 1745 ein neues, großes Palais in Hofnähe bezogen hatte, dorthin zurückkehrte und in der Wiedener Hauptstraße jenes Haus kaufte, in dem er noch für 2 Jahre lebte, bis er schließlich starb. Soviel nur nebenbei.
 
Das heute vergessene Gartenpalais der Familie Lobkowitz in der Wiener Vorstadt "Auf der Wieden", in dem Christoph W. Gluck als junger Musiker und Komponist sozusagen aufwuchs (großer Kreis). Der kleine Kreis bezeichnet den Standort des letzten Gluckhauses (später Wiedener Hauptstraße Nr. 32). Dazwischen das Paulanerkloster, in dem im Jahr 1787 die Totenmesse für den soeben verstorbenen Komponisten gesungen wurde.

 

Kehren wir zurück an den Rand des Erzgebirges, zum Schloss Eisenberg und seinem Forsthaus:
 
Schloss Eisenberg - historische Aufnahmen um 1940.

 
Das Hegerhaus (rechts im Bild) und das Lobkowitz`sche Forsthaus im Hintergrund, in dem ab 1727 die Familie Gluck wohnte. Fotografie um 1900.

Wir haben keine gesicherte Kunde darüber, was die Forstverwaltung von Eisenberg, die Alexander Gluck 1727 übernahm, konkret für ihn bedeutete, aber wir hegen keinen Zweifel daran, dass sich damit ein Lebenstraum erfüllt hatte - gerade im Vergleich und im Gegensatz zu Böhmisch-Kamnitz:

 
Das Lobkowitz'sche Forsthaus. Fotografie 1940.

 
Schloss, Forsthaus und Ortschaft Eisenberg - historischer Plan.

 
Schloss und Parkhotel Eisenberg - Postkarte von 1916.

Diese geradezu intime Ortssituation hatte unmittelbar Auswirkung auf den Umfang der Gluck'schen Tätigkeit. Während Alexander Gluck in Oberkreibitz noch rastlos hatte hin- und herreiten müssen, um im riesigen Kinsky'schen Forst nach dem Rechten zu sehen und den immensen Holzeinschlag und -abtrieb zu organisieren, der für den Betrieb der frühindustriellen Glashütten nötig war, beschränkte sich in Eisenberg der Holzeinschlag auf das von Schloss und den wenigen Häusern benötigte Bau- und Brennholz, unserer Schätzung nach nicht mehr als 4000 bis 5000 Klafter jährlich. Einen wesentlich umfangreicheren Einschlag ließen die steil hinter Schloss Eisenberg aufsteigenden Hangwälder des Erzgebirges auch nicht zu. Umso leichter konnte sich dort in den klimatisch geschützten Taleinschnitten ein eindrucksvoller, artenreicher Mischwald entwickeln, zum Teil mit wertvollen Baumriesen. In einem solchen Wald gab es zwar genügend Arbeit, aber die Hege der Pflanzen und Bäume übertraf auf jeden Fall das Ausmaß der Abholzung im Winter.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Bezirk des Forstamtes Eisenberg sehr klein gewesen wäre. Es gab abgesehen vom Hegerhaus von Eisenberg zwei weitere Forsthäuser in Tallage, deren Förster für den angrenzenden Bergwald zuständig waren, eines in Tschernitz östlich von Eisenberg und ein weiteres in Kunnersdorf westlich von Eisenberg.
 
Das Waldrevier von Eisenberg in der Franziszeischen Landesaufnahme von 1842-53: 1 = Forsthaus von Eisenberg mit Hegerhaus, 2 = Standort Tschernitz, 3 = Standort Kunnersdorf, 4 = Standort Rothegrube, 5 = Standort Nickelsdorf, 6 = Standort Ladung.

Weiter oben am Berg wurde das Gelände flacher und es öffnete sich ein weiter Hochwald, der sich bis an die Grenze zu Sachsen hinzog. Dieses Waldgebirge war nur äußerst dünn besiedelt und stand schon damals unter Naturschutz. Dort oben fanden sich drei weitere Stützpunkte Lobkowitz'scher Jäger und Heger, mit je einem Haus in Rothegrube, Ladung und Nickelsdorf. Es handelt sich hier um das perfekte Jagdrevier. Vor allem der "Eisenberger Thiergarten" (Franziszeische Landesaufnahme 1842-1853) muss einen ebenso eindrucksvollen wie diversifizierten Tier- und Wildbestand aufgewiesen haben.

Dorthin hatte Alexander Gluck jeden Herbst die Jagdgesellschaften des Fürsten Georg Christian zu führen, eine Aufgabe, die ihm als gelernten Büchsenmacher und ehemaligen Büchsenspanner und Leibjäger viel Spaß gemacht haben dürfte.

Ungeachtet dessen war der Arbeitsaufwand von Eisenberg mit dem von Oberkreibitz/Böhmisch-Kamnitz nicht zu vergleichen. Zwischen der Jagd im Herbst und dem Holzeinschlag im Winter war im Hochwald von Eisenberg Ruhe, und Alexander Gluck, der damals schon nicht mehr zu den Jüngsten zählte, dürfte nun erstmals auch Mußestunden am heimischen Herd genossen haben. Gleichwohl gab es auch genügend Arbeit zuhause, denn es stand der Familie Gluck nicht nur das zweistöckige Forsthaus selbst, das Platz für weitere Forstangestellte bot, zur Verfügung, sondern auch die dazugehörige Land- und Gartenwirtschaft.

Obwohl die Dienstaufgabe Alexander Glucks vom Umfang her ungleich leichter zu bewerkstelligen war als zuvor,  trug er dennoch den Titel "Förstmeister" und war vermutlich besser bezahlt als im Böhmisch-Kamnitz.

Es war also von den äußeren Bedingungen her eine gelungene Karriere, die Alexander Gluck trotz vieler Schwierigkeiten mit Beharrlichkeit und Fleiß gemacht und die ihn nun zum Gipfel geführt hatte.

 

Sein geschicktes Wirtschaften zum einen, seine ungebrochene Liebe zur Vaterstadt Neustadt an der Waldnaab zum anderen schlug sich auch in Eisenberg in entsprechenden Transaktionen nieder:

 
Das grün verputzte Haus Nr. 32 am Stadtplatz von Neustadt an der Waldnaab entspricht dem Haus, das Alexander Gluck am 22. Juni 1728 erstand. Das zuerst erworbene Obergeschoß grenzte unmittelbar an die Hauskapelle der evangelisch gebliebenen Mutter des Fürsten Ferdinand August von Lobkowitz, Fürstin Augusta Sophie von Pfalz-Sulzbach (1624-1682). Die Kapelle ist noch heute gut an den beiden Doppelarkaden der Fenster erkennbar. Die in Neustadt äußerst beliebte Fürstin war als Protestantin ihrem Mann Wenzel Eusebius von Lobkowitz nicht ins katholische Böhmen oder nach Wien gefolgt, sondern bis kurz vor Ende ihres Lebens in Neustadt an der Waldnaab geblieben und am 30. April 1682, im Jahr vor der Geburt Alexander Glucks in Neustadt, verstorben.

Kein Zweifel: Bis zu diesem Zeitpunkt trug sich Alexander Gluck mit dem Gedanken einer Rückkehr in die Heimatstadt, vielleicht auch deshalb, weil das von ihm angesparte Vermögen in der armen "Steinpfalz" mehr wert sein würde als im reichen Nordböhmen. Und vermutlich rechnete er damit, dass ihn einer seiner Töchter dorthin begleiten würde, welche in einem Gastronomiebetrieb ihren Lebensunterhalt am ehesten würde bestreiten können, auch nach seinem Ableben.

 

Dies bedeutete aber denknotwendig auch seinen erneuten Weggang aus Eisenberg. Da es andererseits ihm und seiner Familie dort so gut wie nie zuvor in seinem Leben ging, enstand in ihm wahrscheinlich der Wunsch, dass der älteste seiner Söhne, Christoph Willibald, ihm einst in seinem Amt als Forstmeister von Eisenberg nachfolgte. Denn hier wäre es möglich gewesen - nur hier, möchte man hinzufügen -, ein Forstmeisteramt im Erbgang zu übernehmen - jenen Erbgang, den ja im Grunde genommen bei den Fürsten von Lobkowitz nicht Alexander Gluck, sondern schon sein Vater Johann Adam Gluck begründet hatte!

So bestimmte schließlich Alexander Gluck seinen ältesten Sohn Christoph Willibald zu seinem Nachfolger.

 

Immer wieder haben sich Gluck-Forscher gefragt, warum Christoph Willibald Gluck nicht ins nahe Komotau auf das dortige Jesuiten-Gymnasium geschickt wurde. Manche haben es auch einfach behauptet (z. B. Gerber 148). Doch dies ist falsch. Nur sein Bruder Franz Anton Ludwig ist im dortigen Internat für das Jahr 1735 als "Principist" und für das darauf folgende Jahr 1736 als "Grammatist" dokumentiert (Fassl 16), an anderer Stelle auch als Internatszögling "Franciscus Gluck Convictor ultimae mensae Eisenberg" (Mahler 459).
 
Das ehemalige Jesuiten-Gymnasium Komotau heute.

Wie man es auch dreht und wendet: Christoph Willibald ist in Komotau nicht nachzuweisen und deshalb auch auf kein Gymnasium gegangen. An fehlender Intelligenz kann es nicht gelegen haben, wie sein späteres Lebens erweist. Der Grund lag anderswo.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht erwähnenswert, dass auch der im Vergleich zu Franz ältere Bruder Christoph Anton in Komotau ebenfalls nicht auftaucht, und wir fragen uns, ob dieser, da er später auch an sonst keinem Ort nachzuweisen ist, nicht zwischenzeitlich an jenen Blattern (Pocken) verstorben war, von denen Christoph Willibald später etliche Narben im Gesicht zurück behielt (Schmid 415). Es deutet sich mit den Narben im Gesicht des Komponisten auf jeden Fall eine schlimme Krankheit im Hause Gluck an, die in der Kindheit oder Jugend der Kinder stattgefunden haben muss, von der wir aber leider nichts weiter wissen.

Die Erklärung, warum der älteste der Gluck-Söhne, Christoph Willibald, nicht auf das Gymnasium von Komotau ging, ist jedoch ganz einfach:

Christoph Willibald sollte Forstmeister wie sein Vater werden - und das Forstwesen als Wissenschaft oder schulischer Lehrinhalt war damals noch nicht etabliert, das kam erst viel später. Wenn z. B. in Reichstadt eine in Böhmen berühmte Forstschule entstand, so war dies noch nicht einmal zur Zeit der Habsburger der Fall, sondern erst im frühen 20. Jahrhundert!

Die Försterei zu Glucks Zeiten war dagegen ein reiner Lehrberuf, der keinerlei schulische Ausbildung erforderte.

Darin liegt auch der Grund, dass der angehende Komponist später die fehlende Schulausbildung mit Privatlehrern nachholen musste. Es ist nicht einmal sicher, dass Christoph Willibald Gluck nach dem Schulbesuch im Oberkreibitz den Elementarunterricht in Eisenberg nochmals aufnahm. Dazu hätte er schon nach Ulbersdorf hinüber gehen müssen, wo der Schulmeister Franz Richter, der allerdings mit seinen Eltern gut bekannt war, Unterricht erteilte. In die Lehre seines Vaters trat aber Christoph Willibald Gluck frühestens mit 15 Jahren, der seit dem Mittelalter üblichen Schwelle zum Erwachsenenleben. Dies war am ehesten im Jahr 1729 der Fall.

 

Wir reagierte Christoph Willibald Gluck auf die Pläne, die sein Vater für ihn entwickelt hatte?

Hören wir dazu den 60-jährigen Star-Komponisten. Wir zitieren ein weiteres Mal aus den Lebenserinnerungen des Hofmalers Mannlich:

"Mein ganzes Sinnen und Trachten galt schließlich nur mehr der Musik und das Forstwesen wurde beiseite geschoben. Da dies nicht dem Wunsche meines Vaters entsprach, überwachte er strenge meine Arbeit, die er verdoppelte, um mich von einem Handwerk abzubringen, das, wie er sagte, niemals imstande wäre, mich zu ernähren. Nun übte ich während der Nacht; das aber störte die Ruhe des Hauses und des Vaters, und meine Instrumente wurden eingesperrt. In meiner musikalischen Begeisterung griff ich zur lärmenden Maultrommel, die ich in kurzer Zeit meisterlich spielte; aber am seligsten fühlte ich mich sonntags auf dem Kirchenchor. Verzehrt von dem Wunsche, mich schrankenlos meiner Neigung hingeben zu dürfen, beschwor ich endlich meinen Vater, mich in Wien Musik studieren zu lassen. Seine Unbeugsamkeit trieb mich zur Verzweiflung ..." (Mannlich 285f)

Der hier geschilderte Vater-Sohn-Konflikt bedarf keiner näheren Erklärung; er hat so oder ähnlich in der Menschheitsgeschichte unzählige Male stattgefunden. Im vorliegenden Fall fiel er deshalb so heftig aus, weil sich Vater und Sohn so ähnlich waren. Der Griff zur Maultrommel klingt allerdings eher wie eine Verzweiflungstat, weniger wie ein Ausdruck von Begeisterung. Da kaum anzunehmen ist, dass der junge Christoph Willibald Gluck vor dem 13. Lebensjahr den Konflikt mit seinem Vater austrug und außerdem im Kreibitzer Chor nach Glucks eigenem Bekunden nur Erwachsene sangen, scheint er also in seiner Eisenberger Zeit Mitglied des Ulbersdorfer Kirchenchores geworden zu sein, wo er nun vielleicht sogar die Ausbildung durch einen weiteren Kantor erhielt. Ansonsten übte er zuhause, zuletzt sogar nachts, bietet also das Bild des begabten Autodidakten!

Spätestens im Jahr 1729 eskalierte der bis dahin schwelende Konflikt mit dem Vater. Es mag Schläge und Tränen gegeben haben. Wir denken, der junge Christoph Willibald, der sich in Oberkreibitz noch heimisch gefühlt hatte, vermisste in Eisenberg seine alten Freunde, seine sozialen Kontakte in einer Schule und fühlte sich dort nicht mehr heimisch. Damit fiel ihm, unverstanden vom Vater, das Weggehen leicht. So fällte er eines Tages, als die Situation für ihn unerträglich geworden war, einen folgenschweren Entschluss:

"Eines schönen Tages, mit wenigen Groschen in der Tasche, verließ ich heimlich das elterliche Haus und wanderte, um nicht eingeholt zu werden, auf Umwegen in der Richtung nach Wien. Unterwegs verschafften mir die Lieder auf meiner Maultrommel bei Bauersleuten Nahrung und Nachtherberge. Anderntags setzte ich wohlgemut meine Wanderung fort und marschierte, überall freundlich aufgenommen, wo ich sang und musizierte, der Hauptstadt zu. An den Sonn- und Feiertagen spielte ich in den Dorfkirchen bald dieses, bald jenes Instrument, galt für einen Virtuosen, und gewöhnlich beherbergten mich die Pfarrherren, bei denen ich mich, zuweilen tagelang ihr gern gesehener Gast, frei und unabhängig als den glücklichsten Burschen der Welt fühlte.

Der letzte Pfarrer vor Wien, dem ich mich halb und halb erschlossen hatte, gab mir einen Brief an einen seiner Freunde in der Hauptstadt mit, der mich freundlich aufnahm, mir indes nicht verhehlte, daß es in Wien Virtuosen meines Schlages nach tausenden gäbe und ich samt meinem Talente ohne Geld des Hungers sterben würde. Ich gestand ihm nun, wer ich sei und woher ich käme. Er interessierte sich für mich und überredete meinen Vater, der sich nun meiner Neigung nicht mehr widersetzte und mir eine Unterstützung gewährte.

Verlor ich dadurch einerseits die Ungebundenheit und die Annehmlichkeiten eines sorglosen Vagabundenlebens, so konnte ich andererseits schrankenlos meiner Leidenschaft leben und von früh bis spät musizieren und komponieren. So bin ich also zu dem geworden, was ich heute bin, und noch immer schaue ich sehnsüchtig zurück auf die beiden Wochen, wo ich mittels meiner einfachen Maultrommel ein unabhängiges Leben führte ..."

 
Sogenanntes Liebig-Bild, heute ein begehrtes Sammlerobjekt: Der von zuhause entwichene und herum vagabundierende Christoph Willibald Gluck spielt in einem Wirtshaus zum Tanz auf.

Nun - der Maler Mannlich hat diese Worte Glucks viele Jahrzehnte nach dem Tag aufgeschrieben, an dem sie erzählt wurden, und so hat er in eine Episode zusammengezogen, war tatsächlich ungefähr in Etappen drei bis vier Jahre währte.

So z. B. das primäre Ziel Glucks, das er erreichte, gar nicht Wien, sondern Prag gewesen, wo er ein bis zwei Jahre blieb und sich an der Karlsuniversität als "logicus" einschrieb, und wir sind heute ziemlich sicher, dass er unterwegs, wie auch im späteren Leben, reichlich Unterstützung durch Mitglieder des Franziskanerordens erfuhr - seien es Kapuziner, Minoriten oder Paulaner gewesen. Erstmalig kennengelernt scheint er die Minderbrüder in der heute zerstörten Stadt Brüx (Most) zu haben, zumals  diese ab einem gewissen Zeitpunkt auch den Pfarrdienst in Ulbersdorf übernahmen.

Dass Gluck später in Wien von der Familie Lobkowitz sozusagen aufgefangen wurde, haben wir bereits zuvor begründet. Im Gartenpalais der Lobkowitz "auf der Wieden" scheint er dann auch den Fürsten Melzi kennengelernt zu haben, der ihn nach Mailand brachte, wo kurze Zeit später der Schlossherr von Eisenberg, Fürst Georg Christian von Lobkowitz, zum Gouverneur ernannt wurde.

Doch diese Spuren, die in einen bislang nahezu unbekannten Lebensabschnitt des Komponisten Gluck führen, müssen wir einer eigenen Arbeit vorbehalten.

Kehren wir zurück nach Eisenberg, in das Lobkowitz'sche Forsthaus, wo 1729 oder 1730 ein Elternpaar ratlos und unglücklich von seinem renitenten Sohn zurückgelassen worden war. Alexander Gluck, der nun bereits drei oder vier Jahre erfolgreich in Eisenberg gewirkt und dort sein Vermögen gemehrt hatte, stand nach dem Weggang seines geliebten Sohnes vor einem Trümmerhaufen - und nach einiger Zeit muss ihm schmerzlich klar geworden sein, dass dieser nie mehr zurückkehren würde ...

 

Nichtsdestotrotz ging das Leben in Eisenberg weiter. Nachdem sich die Restfamilie Gluck einigermaßen in dem Dörflein integriert hatte, wurde Alexander Gluck im Januar 1731 als Taufpate der neugeborenen Maria Anna Adriana Kaiser berufen. Leider erfahren wir aus dem Taufbucheintrag des Ulbersdorfer Pfarrers Johannes Kletzka nicht, welchen Stand die Eltern des Kindes hatten:
 
Alexander Gluck fungiert als Taufpate im Januar 1731.

Wenige Monate nach diesem Ereignis war Frau Walburga Gluck selbst wieder schwanger und sie entband auf den Tag genau ein Jahr später von einem weiteren Sohn, dem sie den Namen Felix Matthes gab. Taufpate war der Schlossverwalter und Hauptmann Felix Loß, der sich offensichtlich mit den Glucks gut verstand. Unter den Taufzeugen trat neben einer Jungfer mit Namen Maria Anna auch der Barbier von Eisenberg auf. Namensgeben sowohl für den Täufling als auch für den Taufpaten könnte der heiligen Felix von Cantalice gewesen sein, ein frommer Kapuzinerbruder, der im 16. Jahrhundert in Italien gewirkt hatte und dessen Verehrung von Kapuziner-Patres, welche im Jahr 1720 Fürst Ferdinand August von Lobkowitz berufen hatte, nach Neustadt an der Waldnaab gebracht worden war. Nach einigen Wundertaten wurde dem heiligen Felix in Neustadt an der Waldnaab nach 1712, dem Jahr der Heiligsprechung, erst eine Holzstatue, 1734 eine Kapelle und 1765 sogar eine Wallfahrtskirche errichtet, an der heute noch einige Franziskaner leben. [St. Felix im Neustadt]

Was aus dem kleinen Felix Mathes Gluck später wurde, ist leider nicht bekannt.
 
Taufe des Felix Mathes Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Ulbersdorf, von 25. Januar 1732.

Doch sollte mit dem freudigen Ereignis des Januar 1732 mit den Kindstaufen der Glucks noch nicht genug sein. Denn zwei Jahre später, genau am 24. Mai 1734, wurde Walburga Gluck ein weiteres Mal  von einem Sohn entbunden, nunmehr schon dem siebten in der Reihe, der bei der Taufe am Tag darauf den Namen Franz Johann Alexander erhielt. Endlich war in der Generation der Kinder auch der Rufname des Vaters verankert, der seinen seltenen Vornamen "Alexander" seinerseits über zwei adelige Berühmtheiten der Frankfurter Post erhalten hatte: Sein Taufpate war Eugen Alexander von Wetzel gewesen, vormals Vizestallmeister der Lobkowitz, später Postmeister von Frankfurt, und dieser verdankte seinen Vornamen wiederum dem Fürsten Eugen Alexander von Thurn und Taxis, dem Inhaber der Thurn und Taxis'schen Post in Deutschland, der später sein Vorgesetzter und Freund wurde!

Pate und Zeugen bei dieser Gluck'schen Taufe kamen überwiegend aus der Beamtenschaft der Lobkowitz, dazu kam noch der k. und k. Zolleinnehmer Anton Körner aus Komotau.

Alexander jun. wurde später als Erwachsener selbst Beamter, nämlich "k. k. Mehlaufschlag- und Abwaagsbeamter" in Wien, nannte sich zuletzt etwas hochstaplerisch "Alexander Edler von Gluck" und starb am 7. Juni 1795 im Alter von 61 Jahren, in seinem Wiener Stadthaus in der Landstraße 377 (heute Heumarkt 13).
 
Taufe des Franz Johann Alexander Gluck. Auszug aus dem Kirchenbuch Ulbersdorf, von 25. Mai 1734.

 

Weitere Nachrichten über das Leben der Familie Gluck in Eisenberg haben wir leider nicht.

Vielleicht lohnt es sich, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, das Walburga Gluck bei der Geburt ihres letzten, neunten Kindes bereits 52 Jahre alt war, wenn der Sterbevermerk "im 58. Lebensjahr" in den Matrikeln von Obergeorgenthal, dort festgehalten für das Jahr 1740, stimmt.

Gerhard Croll, Biograf Glucks, hat dies bezweifelt, doch so unmöglich, wie es scheint, ist dies nur auf den ersten Blick:

Auf diesen Hinweisen wollen wir es bewenden lassen. Solange kein Taufzeugnis der Maria Anna Walburga Gluck vorliegt, kann es keine abschließende Gewissheit geben.

 

Beschäftigen wir uns am Ende etwas näher mit dem Fürst-Lobkokwitz'schen Forsthaus von Eisenberg, in dem die Familie Gluck zu Füßen des Schlosses wohnte und arbeitete. Bis in die Jetztzeit hat sich dieses Forsthaus erhalten - und selbst jene Zeit überlebt, in dem die gesamte Ortschaft Eisenberg mit weiteren 10 Ortschaften der Umgebung den Braunkohlebaggern des 20. Jahrhunderts zum Opfer fiel (Ulbersdorf, Seestadtl, Neundorf, Triebschitz, Hareth, Holtschitz, Pahlet, Bartelsdorf, Schiemberg und Ummersdorf). Zwei Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg bemühte man sich sogar um eine Renovierung des Hauses:
 
Das Lobkowitz`sche Forsthaus frisch renoviert. Fotografie von 1966.

Doch 15 Jahre später stand dieses Haus nicht mehr - es war ein Raub der Flammen geworden. Über die Umstände des Brandes wissen wir nichts.
 
Das Lobkowitz`sche Forsthaus ist abgebrannt. Fotografie von 1981.

 
Die spärlichen Überreste, ein Trümmerhaufen, im Hintergrund das noch erhaltene Hegerhaus. Fotografie von 1981.

Heute ist an der Stelle, an der einst Alexander Gluck mit seiner Familie lebte, ein teils geschotterter, teils betonierter Parkplatz für die Besucher des Schlosses entstanden:
 
Der heutige Parkplatz auf den Fundamenten des Forsthauses von Eisenberg.

Am westlichen Ende des Parkplatzes befindet sich ein modernes Schild mit einem Jäger in barocker Dressur, bei dem man sich mit viel Mühe den Forstmeister Alexander Gluck vorstellen kann. Auf dem Schild daneben steht davon jedoch kein Wort, nur ein Hinweis auf das abgegangene Gebäude-Ensemble und die Kunde, dass einst über die vorbeiziehende Passstraße fahrende Händler aus Sachsen und Böhmen an- und abgereist sind.
 
Forstmeister Gluck?

Hangaufwärts, hinter dem Parkplatz, befindet sich heute ein kleiner Froschteich, der fast zugewachsen ist.
 
Hinter dem Parkplatz ein kleiner, verkrauteter Teich.

An Stelle des Teichs befand sich früher das zum Forsthaus gehörige Gehöft, in dem vor allem Walburga Gluck waltete und schaltete. Die nachfolgende historische Karte zeigt, dass es sich einst um ein stattliches Ensemble von Gebäuden handelte, die alle zum Forsthaus gehörten, inklusive zweier Schafweiden jenseits des Bergbaches. All dies ist heute ausnahmslos verschwunden, genauso wie das Hegerhaus und die große Scheune einige Meter weiter hangabwärts.
 
Schloss und Forsthaus Eisenberg, historischer Plan - Detail.

 
Schloss, Forsthaus und Ortschaft Eisenberg, heutige Disposition, mit der Gluckova Skála, dem Gluck-Felsen oberhalb des Schlosses.

Nichts erinnert heute mehr an die Familie Gluck, wenn man von einer kleinen Felswand wenige Meter oberhalb des Schlosseingangs absieht, der die Tschechen den Namen "Gluckova skála - Gluckfelsen" gegeben haben. Dieser Fels ist heute stark verwachsen und kaum mit dem bloßen Auge auszumachen. Dasselbe gilt für das Schloss, eine Dreiflügelanlage, die sich am Berg selbst von fast allen Seiten wegen des Aufwuchses den Blicken entzieht. Das Schloss harrt seiner vollständigen Renovierung; Führungen sind jedoch schon heute in der Hauptsaison zeitweise möglich. Immerhin ist stellenweise der Blick hinab in das trostlos weite Abbaurevier der Braunkohle möglich, welches fast einer Mondlandschaft gleicht.
 
Der artenreiche Bergwald von Eisenberg. Im Hintergrund das zu Füßen des Schlossberges sich erstreckende Kohleabbaurevier, das nicht nur Eisenberg, sondern auch viele andere Ortschaften verschlungen hat.

 
Das Kohlerevier von Eisenberg heute.

 
Das Schloss Eisenberg, von der anderen Seite des Kohlereviers aus.

 

 

Station 4: Die Neuschänke bei Hammer

 

Kehren wir zurück zum Forstmeister Alexander Gluck und seiner Gattin Walburga. Einige Jahre mag das Ehepaar noch auf die Rückkehr des ältesten Sohnes gewartet haben, aber irgendwann schwand auch diese Hoffnung. Im Jahr 1735 zerschlug sich dann für Alexander Gluck auch die Hoffnung auf eine Rückkehr in seine Vaterstadt in der nördlichen Oberpfalz - vermutlich deshalb, weil inzwischen die Töchter, die bei den Glucks geblieben waren, den Eltern klar machten, dass sie nicht noch einmal umziehen wollten und lieber im Böhmen blieben. Es wird auch ziemlich genau im Jahr 1735 gewesen sein, als Alexander Gluck bei seinem Dienstherrn um seine Demission in den Ruhestand nachsuchte. Zwar sind wir über das genaue Datum des Gesuchs nicht informiert, aber welchen anderen Grund konnte es haben, wenn Alexander Gluck genau in diesem Jahr 1735 begann, seinen Neustädter Besitz nach und nach wieder abzustoßen:

Im Haus des Forstmeister-Ehepaars Gluck in Eisenberg war am Ende neben vier minderjährigen Kindern nur eine erwachsene Tochter geblieben, die im Reichstadt geborene, nunmehr 18jährige Maria Anna Rosina. Erst lange nach dem Ableben der Eltern, um 1759, wird diese junge Frau den Husarenoberleutnant Claudius Hedler (†1799) heiraten (Gerber 149). Aus dieser Ehe stammte wiederum jene Marianne, welche der kinderlos gebliebene Christoph Willibald Gluck und seine Frau Marianne Bergin später an Kindes Statt annahmen, nachdem ihre Mutter vermutlich schon bald nach ihrer  Geburt verstorben war (†vor 1762). Diese Schwestertochter, welche Christoph Willibald Gluck liebevoll "Nanette" nannte, starb ihrerseits im Jahr 1776 an den schwarzen Blattern, im zarten Alter von 16 Jahren.

Von Anna Elisabeth, der zweiten Tochter der Glucks, welche zur Zeit von Alexander Glucks Demission noch minderjährig war, wissen wir, dass sie ebenfalls bei den Eltern blieb, um erst 2 Jahre nach Alexander Glucks Tod, am 20. Oktober 1745, einen Mann aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu heiraten, den Schreiber Friedrich Cromer (oder Kramer) aus dem benachbarten Oberleutensdorf (Horní Litvínov), von dem sie später 3 Kinder hatte.

In den Jahren 1735 und 1736, in denen Alexander Glucks Versetzung in den Ruhestand geplant und durchgeführt wurde, wussten die Glucks noch nichts vom späteren Schicksal ihrer Töchter, aber immerhin konnten sie damit rechnen, dass wenigstens eine von beiden bei ihnen bleiben würde, um sie im Alter zu versorgen und zu pflegen. Im Forsthaus von Eisenberg konnte allerdings dieser Lebensabend nicht stattfinden, also suchte man nach einer Bleibe, die auch den Töchtern Brot und Auskommen geben konnte, am besten eine umsatzstarke Gastwirtschaft, in der auch die Eltern noch solange mitarbeiten konnten, wie die Kräfte blieben.

 

Was ist ein guter Dienstherr? In der Zeit vor Einführung der allgemeinen Rentenpflicht wohl derjenige, der einem langjährig treuen und verdienten Beamten hilft, nach seinem Dienstverhältnis einen guten und stabilen Lebensabend verbringen zu können.

Einen solchen guten Dienstherrn, oder besser gesagt, eine solch gute Dienstherrin sehen wir in der Besitzerin des Schlosses Eisenberg, der Gattin des meistens abwesenden Fürsten Georg Christian von Lobkowitz: Fürstin Karoline Henriette von Lobkowitz (1702-1780) stammte aus der berühmten böhmischen Adelsfamilie "von Waldstein" = Wallenstein. Frau Karoline Henriette war selbst wie Walburga Gluck eine Vielgebärende, sie soll ihrem Mann den Quellen nach insgesamt 8 Kinder geschenkt haben. Insofern kannte sie bestens die Sorgen eines älter werdenden Ehepaars, das versuchte, in der letzten Lebensphase für all gebliebenen Kinder eine gute Lebensgrundlage zu finden. Bei Alexander Glucks Suche nach einem Altersruhesitz scheint diese hohe Frau kräftig mitgeholfen zu haben:

Die Region unmittelbar östlich von Eisenberg, um den Ort Oberleutensdorf herum, die zusammen mit der Herrschaft Dux schon einmal zu den Lobkowitz'schen Domänen gehört hatte, befand sich seit 3 Generationen im Besitz der hochadeligen Familie von Waldstein, aus der Fürstin Karoline Henriette stammte. In Leutensdorf selbst hatte im Jahr 1715 der ältere Bruder der Eisenberger Schlossherrin, der Oberstmarschall von Böhmen, Graf Johann Josef von Waldstein (1684-1731), eine "Tuch- Casimir- und Circas-Manufaktur" errichten lassen, welche dem Ort einen erheblichen Zuwachs an Einwohnern gebracht hatte. Zu Leutensdorf wiederum gehörte auch der Vorort Hammer (Hamr), mit seinen zwei Eisen-Hammerwerken, von denen der "Duxer Hammer" wiederum dem Herrn von Waldstein gehörte. Und zu dessen Füßen, in lieblicher Landschaft an einer Kette von Sägemühlen, war gerade zu betreffenden Zeit - möglicherweise auf den Resten eines älteren Anwesens - ein großer barocker Neubau einer Schänke mit Beherbergungsbetrieb entstanden, die sogenannte Neuschänke.

Diese Neuschänke gereichte nun im Jahr 1735 Alexander Gluck zum höchsten Interesse und es gelang ihm, wahrscheinlich durch Vermittlung der Fürstin Karoline Henriette, die bei Ihrem Bruder Johann Josef von Waldstein ein gutes Wort für ihn einlegte, diese Neuschänke anzukaufen. Es ist nicht auszuschließen, dass Alexander Gluck höchstpersönlich den Namen "Neuschänke" ausgewählt hat.
 
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Die Bruderhalle, ein Ausflugslokal des 19. Jahrhunderts. Vom Biergarten aus hatte man einen wunderschönen Ausblick in Richtung Brüx, halbrechts am Ende einer Baumallee sah man die Gluck`sche Neuschänke. Zur Vergrößerung bitte mit der Maus über das Bild fahren!

Es handelt sich bei diesem stattlichen Gebäude, zu dem noch ein weiteres Haus gehörte, in der Tat um ein äußerst interessantes Objekt:

 
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Franziszeische Landesaufnahme 1842-1853. Bitte mit der Maus über das Bild fahren, um die Neuschänke im Detail zu sehen! Die Neuschänke grenzte im Westen unmittelbar an die Straße von Johnsdorf nach Brüx und damit direkt an das Gemeindegebiet von Johnsdorf an, das nicht in Waldenstein'scher Hand lag.

Wir gehen davon aus, dass sich mit dem Erwerb dieses Anwesens, in das er 1736 sein gesamtes Erspartes investierte, für Alexander Gluck ein weiterer Lebenstraum erfüllte: Er hatte sich, selbst wenn er sich nun formell "Waldenstein'scher Hintersass" nannte (siehe oben), zum Ende seines Lebens von jeder Art von Abhängigkeit gegenüber dem Hochadel befreit und konnte endlich nach eigenem Ermessen und Gutdünken wohnen und wirtschaften!
 
Die Neuschänke in der sogenannten Urmappe (um 1830).

Bezahlt wurde das Anwesen wahrscheinlich in Raten, die zum Teil erst nach Bezug fällig wurden. In diesem Zusammenhang scheint Alexander Gluck als "resignierter Forstmeister in Eisenberg in Böheimb" am 27. Oktober 1740 seine beiden Haushälften neben dem Neustädter Schloss für 260 Gulden veräußert zu haben. (Gerber 147). Die obere Hälfte fiel an den Kirchenmaler Mathias Götz, das Erdgeschoss an den Metzger Mathias Üblacker (Ascherl 51; die dort vermerkte Jahreszahl 1746 ist sicherlich falsch)

 

"Dies Haus ist mein und doch nicht mein, dem Nächsten wird es auch nicht sein, den Dritten trägt man auch hinaus. Wem, glaubt ihr, gehört dies Haus?

So lautet eine Variante eines bekannten deutschen Sprichwortes.

Wir wissen nicht, wie lange und wie erfolgreich Alexander Gluck für seine Kinder auf der Neuschänke bei Hammer wirtschaften konnte. Aber schon am 8. August 1740 traf ihn ein herber Schicksalsschlag. An diesem Tag verstarb nämlich seine geliebte Frau Walburga Gluck, welche ihm immer eine treue Gattin gewesen war und immerhin neun Kinder geschenkt hatte. Zwei Tage später, am 10. August 1740, wurde Frau Walburga Gluck im Friedhof der Pfarrei von Obergeorgenthal, zu der Hammer und die Neuschänke gehörten, "mit zwei gesungenen Ämtern begraben, ehe bevor aber mit der heiligen Beicht und Kommunion und letzten Ölung versehen. Ihres Alters 58 Jahr." So steht es im Kirchenbuch von Obergeorgenthal.
 
Eintrag für den Tod der Walburga Gluck. Auszug aus der Sterbematrikel der Kirche Obergeorgenthal, vom 10. August 1740.

Rudolf Gerber meinte zurecht: "Der treuen Lebensgefährtin trauerte der tatkräftige, kühn planende Mann, der in fruchtbarer Zusammenarbeit mit ihr in der Neuschänke einen neuen Lebensabschnitt zu eröffnen gedachte, aus ehrlichem Herzen nach ..." (Gerber 147)

Dem ist wenig hinzuzufügen. Der Witwer Alexander Gluck stiftete wenig später zu Ehren seiner lieben Verstorbenen, zu denen neben seiner Frau natürlich auch Vater und Mutter gehörten, in der alten Heimatstadt Neustadt an der Waldnaab eine alljährliche Seelenmesse, wozu er immerhin 20 Gulden gab: "Zu einer ewigen Jahr Meeß derer Seelen für welche Er zu betten schuldig ist." (Croll 20)

Zweieinhalb Monate nach dem Tod der Gattin reiste Alexander Gluck von der Neuschänke nach Ulbersdorf, um als Zeuge der Taufe eines Jungen beizuwohnen: Franz Joseph Lorenz war der Sohn des schon weiter oben erwähnten Ulbersdorfer Schulmeisters Franz Richter und seiner Frau Maria Rosina.
 
"Herr Alexander Kluckh von der Neuenschänk." Auszug aus dem Kirchenbuch Ulbersdorf, vom 22. Oktober 1740.

Diese Zeugenschaft verdient Aufmerksamkeit. Alexander Gluck scheint mit dem Ulbersdorfer Schulmeister befreundet gewesen zu sein - möglicherweise auch deshalb, weil dieser zuvor seine Kinder, vielleicht auch Christoph Willibald Gluck, unterrichtet hatte.

Alexander Gluck verkaufte, wie schon erwähnt, noch im Jahr 1740 seinen Neustädter Besitz und lebte für drei weitere Jahre in der Neuschänke. Wir haben keine Information über seine damaligen Lebensbedingungen und erfahren in dieser Zeit auch nichts über die beiden Töchter. Vielleicht bereitete sich der emeritierte Forstmeister nun bereits selbst auf den baldigen Tod vor.

Die erste verlässliche Nachricht, die wir wieder von ihm erhalten, stammt aus dem Jahr 1743:

Am 26. Juli 1743 verstarb Alexander Gluck nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 60 Jahren in der Neuschänke und wurde zwei Tage später an der Seite seiner Frau auf dem Friedhof von Obergeorgenthal zur letzten Ruhe gebettet.
 
Der Tod Alexander Glucks. Auszug aus der Sterbematrikel der Kirche Obergeorgenthal, vom 26. Juli 1743.

Welchen Ruf und welchen Respekt sich bis dahin der ehemalige Forstmeister von Eisenberg verschafft hatte, spiegelt der in lateinischer Sprache verfasste Sterbebucheintrag wieder, wobei die Zahl am Ende mit "66" verschrieben war:

"Obiit pie in Domino nobilis Dominus Alexander Gluckh, emeritus Sylvarum Praefectus in Eisenberg; obiit autem in Neuschänk praevie sacramentaliter confessus Ss.mo Viatico ex sacra unctione munitus. Sepultus hic in Camiterio cum Missa cantata et privata. Aetatis suae annorum 60.

Es entschlief fromm im Herrn der adelige Herr
(so!) Alexander Gluck, Vorsteher der Wälder von Eisenberg im Ruhestand. Er starb in der Neuschänke, nachdem er zuvor seine Sünden gebeichtet hatte und mit der allerheiligsten Wegzehrung und der heiligen Ölung gestärkt worden war. Er liegt hier im Friedhof begraben. Im Alter von 60 Jahren."

 

Dass die Totenmessen des Ehepaars Gluck mit Musikbegleitung und Chorgesang gefeiert wurden, mutet eigenartig an, denn zum damaligen Standard gehörte dieser Aufwand nicht. Hatte beiden Musik doch etwas bedeutet - oder soll man hierhin vielleicht sogar eine späte Anerkennung für die musikalische Leistung ihres Erstgeborenen verstehen?

Seinen inzwischen berühmt gewordenen Sohn, den Komponisten Christoph Willibald Gluck, hatte Alexander Gluck zuvor nicht mehr gesehen. Als es diesen am Ende seiner Wandertruppenjahre vorübergehend in der zweiten Hälfte des Jahres 1747 an die Hofkapelle nach Dresden-Pillnitz zog, mag die Sehnsucht nach dem Grab der Eltern und die Sorge um die jüngeren Geschwister ausschlaggebend gewesen sein. Immerhin war Dresden nur 50 km Luftlinie von der Neuschänke entfernt und der Weg nach Oberleutensdorf führte über Neuhausen im Erzgebirge auf jener Straße nach Prag, die direkt an der Neuschänke vorbeiführte.

Es scheint die Aufgabe Christoph Willibald Glucks als Erstgeborener gewesen zu sein, das elterliche Erbe abzuwickeln. Geld konnte dabei nur zur Auszahlung kommen, wenn die Neuschänke verkauft wurde, ansonsten wäre das Erbe dinglich gebunden geblieben. Da sich die jüngste Schwester 1745 nach Oberleutensdorf verheiratet hatte und die älteste, beim Tod des Vaters 25-jährige Schwester den Betrieb der Neuschänke allein nicht leisten konnte, sollte der Verkauf in der Tat im Jahr 1747 stattgefunden haben, selbst wenn darüber ein dokumentarischer Beweis fehlt. Der Traum von einem Erbgut, von dem seine Familie aud Dauer profitierte, hat sich ex post für Alexander Gluck nicht erfüllt.

 

Die Neuschänke überdauerte die Zeiten bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Im 19. Jahrhundert, nach der Gründung der Eisenbahnlinie, scheint ihr Betrieb so erfolgreich gewesen zu sein, dass sich ein Gästebau, das "Hotel Weber", hinzu gesellte.
 
Die Neuschänke und das vis-à-vis stehende Hotel Weber. Ausschnitt einer Postkarte von 1899.

Noch im Jahr 1914, als sich der Geburtstag des Komponisten Gluck zum 200. Mal jährte, erinnerten sich die Bürger von Hammer, Johnsdorf und Leutensdorf an die Bedeutung, welche die Neuschänke für die Familie Gluck einst gehabt hatte und ehrte am 2. Juli das Gebäude mit einem Relief des Komponisten Gluck, das Prof. Groth aus Wien mit folgender Inschrift angefertigt hatte: "Die Gemeinde Hammer ihrem einstigen Bürger Christoph Willibald von Gluck, dem Schöpfer des deutschen Musik etc."

Bürger von Hammer wäre der Komponist Gluck allerdings nur dann gewesen, wenn er nach dem Tod der Eltern das Anwesen eine Zeit lang noch selbst unterhalten und bewohnt hätte. In der Tat hat dies der Gluck-Biograf Max Arend, welcher 1914 die Festrede an der Neuschänke hielt, nach der Ortstradition so in den Raum gestellt. Demnach hätte der Komponist dort sogar ein ganzes Jahr gewohnt. Wir halten dies zwar nicht für wahrscheinlich; widerlegt ist es jedoch solange nicht, als sich nicht ein Besitzdokument findet, das das Gegenteil beweist. Dies ist unseres Wissens bis dato nicht der Fall.
 
Die Neuschänke, Fotografie aus der Zeit um 1900. Links oben verkleinerte Abbildung der Gedenktafel des Prof. Groth, die an der Neuschänke angebracht und am 28. Juni 1914 enthüllt wurde. Dieser Tag war zugleich der Auftakt des 1. Weltkrieges, denn noch am selben Nachmittag traf die Kunde ein, dass in Sarajewo das österreichische Thronfolgerpaar ermordet worden war.

 

Die heutigen Bürger von Hammer pflegen im Bereich der Neuschänke kein kulturelles Erbe mehr. Das Gebäude selbst ist mit all seinen Liegenschaften vom Erdboden verschwunden, an seiner Stelle finden sich jene hässlichen Reihen von  Blechgaragen, die für die Zeit des Untergangs unter dem kommunistischen Regime so typisch sind. Nichts, kein Schild o. ä., deutet auf die einstige Bedeutung des verlorenen Anwesens hin.
 
Hinter dem Kraftfahrzeug das einstige Areal der Neuschänke.

Im Bereich der unmittelbar angrenzenden Gemeinde Johnsdorf (Janov), jenseits der Straße nach Brüx, haben dagegen noch einige Bauten aus der Zeit der Familie Gluck die Zeiten überdauert:

 
Der zugeparkte Eingangsbereich des Schlosses Johnsdorf heute. Das Schlossgebäude ist in so desolatem Zustand, obendrein der Innenhof mit Betonplatten verunstaltet, dass wir beides nur in stark verkleinerter Abbildung zeigen.
 
Die alte Linde in Nähe der Gluck'schen Neuschänke, neben dem Johannes-Nepomuk-Denkmal. Dahinter das erzgebirgische Landhaus aus Gluck'scher Zeit.

 
Der Johannes Nepomuk von 1695 und 1735, ebenfalls aus Gluck'scher Zeit.

 
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Obergeorgenthal (Horní Jiretín), errichtet zwischen 1694 und 1700.
 
Der spärliche Überrest vom alten Obergeorgentaler Friedhof: "Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben..."

 

Mit diesen Eindrücken kommen wir zum Ende dieser biografischen Bilderreise - auf den Spuren der Försterfamilie Gluck in Böhmen.

Für uns, die wir 2019/2020 das Forsthaus von Weidenwang [Link] in Besitz genommen haben, in dem Alexander Gluck und seine Frau Walburga als frisch vermähltes Paar für kurze Zeit wohnten und ihren ersten Sohn, den Barockkomponisten Christoph Willibald Gluck zur Welt brachten, war diese Reise eine Verpflichtung: Nur wenn man ihren gesamten Lebensweg überblickt, kann man eine bestimmte Episode aus dem Leben dieser geschichtlichen Personen richtig verstehen.

Wir sind uns heute sicher: Vater und Sohn Gluck - Forstmeister und Komponist - kollidierten 1729 nur deshalb so stark, weil sie in ihrem Wesen sehr ähnlich waren und sich geliebt haben!

Insofern hilft diese Bilderreise all denjenigen, der sich bemühen, den Komponisten Christoph Willibald Gluck und sein Werk besser zu verstehen. Und alle, denen dies am Herzen liegt, seien hiermit ermuntert, selbst in Böhmen auf die Spur zu gehen. Es ist eine Reise abseits der großen Touristenströme - in eine herrliche Naturlandschaft, mit stattlichen steinernen Zeugen der Barockzeit, einer sehr guten Gastronomie und schönen, preiswerten Unterkünften!

Berching, im 2. Corona-Jahr 2021 - gez. Werner Robl

 

 


Zitierte Literatur:



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