Die kurbayerische Landesdefensionslinie zwischen Donau und Altmühl

Der mittlere Abschnitt von Denkendorf bis hinter Zandt

© Dr. Werner Robl, Berching, Januar 2015

 

Interessante Punkte der kurbayerischen Landesdefensionslinie von 1702/03
Die Landesdefensionslinie östlich von Denkendorf. Blaue Linie= Grenze zwischen Kurbayern und dem Hochstift Eichstätt, nach K. Röttel. Graue Punkte = erhaltene historische Grenzsteine nach K. Röttel. Rote durchgehende Linie = gesicherte Abschnitte der Landesdefensionslinie. Rote gestrichelte Linie = noch nicht gesicherte Abschnitte der Defensionslinie. Grüne gestrichelte Linie = Zone der Waldverhaue. Gelbe Punkte: Nachgewiesene Schanzwerke oder Linienabschnitte der Defensionslinie.

 

Eine Viereckschanze westlich von Schönbrunn

Dort, wo sich der Denkendorfer ICE-Tunnel nach Süden öffnet, haben wir auf einer Satellitenaufnahme von 2013 eine über Eck stehende Viereck-Schanze der kurbayerischen Landesdefension entdeckt, gut erkennbar an einem dunkleren Bewuchs im Bereich des ehemaligen Grabens. Die Kantenlänge der Schanze beträgt ca. 17 Meter (Wallkrone 14 Meter, das übliche Schanzenmaß). Der von dort abgehende Graben verläuft nach Nordosten, direkt an den Ortsrand von Zandt. Eine weiterer Graben-Stummel weist nach Südwesten zum nahen Wald des Hierberges; hier wurde die Linie durch den Eisenbahnbau der Moderne unterbrochen. Wegen der kerzengeraden Linienführung in Richtung Zandt kann man hier gut auf den weiteren Verlauf der Defensionslinie extrapolieren.

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Ein kurzer Linienabschnitt am westlichen Ortsrand von Zandt

Unmittelbar am Ortsrand von Zandt kreuzte die Defensionslinie mit der westlichen Ortsstraße den ehemaligen Verlauf des römischen Limes. Unmittelbar anschließend entdeckt man auf der Satellitenaufnahme von 2013 einen kurzen Linienabschnitt, erneut aufgrund von Bewuchsmerkmalen. Wegen des Versatzes und einer kurzstreckigen Unterbrechung ist hier ein geflügelter Spiron mit nur einseitig ausgeführter Längsflanke anzunehmen. Den westlichen Schenkel dieser Schanze meint man auf dem streifig bepflanzten Getreidefeld gerade noch zu erkennen. Die Gründe des Versatzes sind vorderhand nicht klar. Im Bereich der Ortschaft Zandt selbst lassen sich keine weiteren Linienabschnitte ausmachen.

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Der Linienabschnitt nordöstlich von Zandt bis nach Arnbuch

Ca. 1,1 km südlich von Bitz, im Bereich eines kleinen Wäldchens, meint man auf der Satellitenkarte und auf dem Laser-Scan den einstigen Verlauf der Linie, welche vom Bitzer Berg hierher verläuft, abgrenzen zu können.

Dies ist jedoch ein Irrtum: Es handelte sich um eine aufgelassene Wegetrasse, welche auch der Urkataster von ca. 1825 zeigt. Der im Westen dieses Weges gelegene Wiesenabschnitt hieß früher "Im Bayerischen Feld", zur Differenzierung gegenüber dem nahen Hochstift Eichstätt. Diesem Weg entspricht auch das Bewuchsmuster der Satellitenaufnahme, das südlich des Dammes einen gewissen Feuchtigkeitsstau vermuten lässt.

Innerhalb des kleinen dreieckigen Wäldchens links unten in den Bildern wurde früher Ton abgebaut, daher die Einsenkungen auf dem Laserbild.

Die eigentliche Linie in Richtung Arnbuch orientierte sich strikt an den Anhöhen und verlief in diesem Abschnitt etwas weiter östlich. Man betrachte dazu zunächst die nachfolgende, aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzte Laser-Übersicht der Linie zwischen Bitz und Arnbuch (in Überprojektion mit der topographischen Karte). Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken! Wir folgen der Linie von unten nach oben resp. von Süden nach Norden:

Der rote Punkt ganz unten ist die Bitzer Höhe (519 m). Sie ist im Visitationsbericht des Oberkriegskommisärs Risner von Risenfeld als Linienpunkt wörtlich genannt. Von ihr ging es gerade zur Anhöhe mit dem Höhenpunkt 535 m (2. roter Punkt). Die Linie begann mit einem Waldverhau. An einem von Süd nach Nord kreuzenden Waldweg erkennt man noch eine der typischen Feldwachstellungen (Exkavation gelber Pfeil). Etwas nördlich davon wird das freie Feld erreicht, östlich der oben beschriebenen Wegetrasse. In einem kurzen Abschnitt meint man Reste des verfüllten Grabens im Laserbild auszumachen (gelber Pfeil mit Fragezeichen).

Nördlich der Anhöhe 535 und des Grubholzes kreuzt eine Talsenke, hart an der ehemaligen Hochstiftsgrenze. Hier macht die Linie einen Knick nach Osten. Beim Hügel knapp oberhalb des Talgrundes "Lohwiesen" (roter Punkt) findet sich eine größere Feldwachstellung mit Brustwehr (gelber Pfeil). Von dort folgt die Linie zur Anhöhe 529 m (roter Punkt). Hier ist noch ein kurzer Linienabschnitt im Gelände komplett erhalten, dazu ein kleiner Feldwachposten (gelbe Pfeile).

Es folgt ein verpflügter, im Laser Scan gerade noch erkennbarer Grabenabschnitt, mit dem die Kreuzung der Linie mit der Staatsstraße St2392 von Bitz nach Winden bzw. von Denkendorf (auf eichstättischen Gebiet) nach Pondorf (auf kurbayerischem Gebiet) definiert wird - ca. 85 Meter östlich der ehemaligen Hochstiftsgrenze. Hier hat der moderne Straßenbau alle Strukturen zerstört; vermutlich gab es 1702/03 eine Grenzredoute mit Schlagbaum.

Nördlich davon schließt sich ein weiterer, gerade noch erkennbarer Linienabschnitt an. Von dort ging es nach wenigen Metern per Waldverhau nach Norden weiter, wobei in Bezug auf die eingeschlossenen Anhöhen der Hierllohe und Fuchslohe zwei alternative Linienverläufe denkbar sind: eine direkte, kürzere nach Arnbuch über die Waldflur Kuhgründel, eine etwas längere, strategisch aber sinnvollere östlich davon. Das Laserprofil erklärt die Gründe. Leider lassen sich hier keine direkt zur Linie gehörigen Feldwachstellungen mehr definieren. Am weiter östlich gelegenen Waldweg von Arnbuch nach Bitz meint man allerdings eine Stellung mit Bodenexkavation auszumachen, welche zur Deckung und Bewachung dieses Weges gedient haben könnte.

Im freien Feld bis zum Schanzwerk Arnbuch lassen sich leider keine hieb- und stichfesten Linienreste mehr ausmachen - weder auf der Satellitenaufnahme noch auf dem Laserbild. Hierzu mehr auf der betreffenden Seite.

Damit endet der mittlere Abschnitt der kurbayerischen Landesdefensionslinie zwischen Altmühl und Donau.

 

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